Abends die Schulbank drücken
Fachhochschulreife oder Abitur erwerben: Seit 30 Jahren ist das in Schwerin am Abendgymnasium möglich

Robin Twardy
Vor dem Unterricht am Eingangstor: Die Schülerinnen Lena Scholz, Wala Schünemann und Schulleiterin Cornelia Seidler stehen am Eingang des Fridericianums.
Foto: Robin Matthias Twardy
Nachmittags die Fachhochschulreife oder das Abitur nachholen? Seit 1992 ermöglicht, dass das Abendgymnasium in Schwerin. Etwa 20 Schüler, die hier Studenten genannt werden, gehen jährlich mit einem Abschluss ab. Dabei kommen sie laut Schulleiterin Cornelia Seidler aus allen möglichen Lebensbereichen zurück auf die Schulbank im Fridericianum. „Beamte, Mütter, Leute aus der Pflege,
frische Gesellen. Eigentlich zeichnen sich die Studierenden hier dadurch aus, dass sie so verschieden sind.“ Sabine Hanowell lehrt seit zwei Jahren am Abendgymnasium. Örtlich musste sie sich nicht groß verändern – Hanowell war zuvor Lehrerin an einer Gesamtschule in Schwerin. Sie erfüllt es vor allem, ehemalige Schüler wiederzusehen. „Manche Schüler, die nach der 10. Klasse abgegangen sind und unmotiviert waren, sehe ich hier wieder. Es ist faszinierend, wie sich die Einstellung verändert und sich die Personen entwickelt haben.“ Erwachsene Schüler würden Hilfe eher annehmen als jüngere
und auch wertschätzender miteinander umgehen, schildert Sabine Hanowell. Die 23-jährige Lena Scholz aus Ludwigslust arbeitete als Verkäuferin im Einzelhandel. In der Pandemie verlor sie ihre Anstellung. In der Zeit ohne Job kam bei ihr Langeweile auf. „Ich muss ausgelastet sein und etwas zu tun haben“, erklärt sie. Bei einem Spaziergang durch die Goethestraße sah sie ein Schild mit Informationen zum Abendgymnasium. Daraufhin entschloss sie sich, eine Bewerbung abzuschicken. Aktuell ist sie in der Qualifikationsphase im zwölften Schuljahr und arbeitet 30 Stunden in der Woche in einem Modeschmuckgeschäft. In ihrer Klasse ist auch die 24-jährige Wala Schünemann. Leuten, die sich noch unsicher sind, rät sie: „Traut euch und macht es!“ Sie absolvierte zuvor eine Ausbildung zur Systemgastronomin. „Dort sehe ich mich aber nicht in 30 Jahren“, erzählt sie. Der stressige Alltag und der Umgang des Chefs mit ihr gefielen ihr nicht. Aktuell arbeitet sie zehn Stunden die Woche in einer Personalabteilung im Büro und sonnabends und sonntags in einer Pizzeria. Auf die Frage, ob das nicht stressig sei, antwortet sie: „Ein bisschen. Aber es öffnet viele Türen und ich weiß ja, warum ich es mache.“ Nach dem Abitur möchte sie gerne Lehramt studieren.