Zeitzeuge Winfried Petersen neben seinem Foto in der Ausstellung
16. Januar 2015

Anne Frank und Winfried Petersen: Ausstellung zieht Spannungsbögen

SCHWERIN Winfried Petersen ist vielen Schwerinern bekannt. Über Jahrzehnte hinweg bereicherte er als Domkantor das musikalische Leben der Stadt, war viele Jahre auch Stadtvertreter. Doch was hat Petersen mit Anne Frank zu tun? Für das Festival Verfemte Musik hatten Studenten der Hochschule für Musik und Theater Rostock (HMT) eine Ausstellung konzipiert, die an ein Geschichtsprojekt von Schülern des Fridericianums zu Anne Frank anknüpft. Auf der Suche nach einer Verbindung zu Schwerin stießen Stefanie Schliebe und Jakob Schwichtenberg von der HMT auf Winfried Petersen, der fast ein Jahrgang mit Anne Frank ist. Entstanden ist die Ausstellung „Ein Reich – zwei Leben“, in der es um das Großwerden in einer erschreckenden Zeit geht. Sie ist jetzt im Rondell des Stadthauses zu sehen. Die Schau stellt den Werdegang zweier Heranwachsender im Nationalsozialismus gegenüber – der im Jahre 1929 geborenen Anne Frank und des ein Jahr älteren Schweriner Schülers Winfried Petersen. „Die Ausstellung und das Theaterstück der Fridericianer gehen unter die Haut. Sie sind vor allem für jungen Menschen ein Angebot, sich anhand konkreter Biografien mit Geschichte auseinanderzusetzen“, sagte Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow bei der Eröffnung im Stadthaus. Zwei Leben treten hier in einen Dialog, was auf den Schautafeln gut nachvollziehbar wird. Auf der einen Seite steht Anne Frank, die durch ihr hinterlassenes Tagebuch Weltruhm erlangte. Auf der anderen Seite steht Winfried Petersen, der Schüler des Fridericianums, der mit 16 Jahren zur Wehrmacht eingezogen wurde, später Domkantor war und jetzt im Ruhestand ist. Ausstellungsmacher Jakob Schwichtenberg erläutert die Projektidee: „Es gibt Gemeinsamkeiten und Trennendes in den Lebensgeschichten der beiden Men- schen, die fast im gleichen Jahr geboren sind. Uns war es wichtig, das Heranwachsen im Nationalsozialismus ganz konkret in Schwerin zu verorten. Anne Franks Tagebuch ist ein unerschütterliches Dokument der Verbrechen der NS-Diktatur, aber es ist nicht das Einzige. Diese Ausstellung möchte dazu Anstoß geben, das kommunikative Gedächtnis der noch lebenden Zeitzeugen zu erfragen und aufzuzeichnen“, sagte Schwichtenberg, der der Neffe Winfried Petersen ist. „Wir zeigen die Ausstellung ,Ein Reich – zwei Leben‘ anlässlich des bundesweiten Gedenktages für die Opfer des Nationalsozialismus hier bei uns im Stadthaus“, sagte Gramkow. Die Schau werde bis zum 30. Januar zu sehen sein. Das Besucherbuch ist dem Tagebuch der Anne Frank nachempfunden und liegt im Foyer aus. Eine Wiederaufführung des Theaterstücks über Anne Frank findet am 23. Januar um 12.30 Uhr in der Aula des Fridericianum statt.

bert

Zeitzeuge Winfried Petersen neben seinem Foto in der Ausstellung

Ausstellungsmacher Jakob Schwichtenberg (4.v.l.) führte die Gäste der Eröffnung selbst durch die Schau. FOTOS: SCHÜTTPELZ (2)

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