Aus alt wird neu
SCHELFSTADT Seit 1996 war das ehemalige Fridericianum ungenutzt, als die letzten Abiturienten das marode Haus in der August-Bebel-Straße verlassen hatten. Übel riechende Toiletten und zugige Klassenzimmer prägten in den letzten Unterrichtsjahren den Ruf des Gymnasiums. Heute ist davon nichts mehr zu spüren. Das Direktorengebäude ist längst saniert und wird von der privaten Hochschule Baltic College genutzt. Das im Oktober 1870 als erstes am Ostufer des Pfaffenteiches errichtete Hauptgebäude wird derzeit aufwändig von der Stadt saniert. Das alte Fridericianum wurde nahezu zeitgleich mit dem Hauptgebäude der Universität Rostock (1866-1870) errichtet und hat als Miniaturausgabe mit der Uni Rostock große Ähnlichkeit. Startete es anfangs als reine Knabenschule, wurden von 1923 bis 1931 in diesem Schulhaus auch die oberen Klassen des aufgelösten Oberlyzeums als Oberschule für Mädchen untergebracht. Danach wechselten häufig die Namen – Bildungseinrichtung blieb das Haus aber immer: Am 1. Oktober 1945 Wiedereröffnung als Oberschule für Jungen, seit 1. September 1949 Goetheoberschule, seit 7. Oktober 1970 August-Bebel- Schule. Von September 1991 bis Juli 1996 wieder Gymnasium Fridericianum. Danach gab es noch ein ebenso kurzes wie erfolgloses Gastspiel als „Schlevogt Business School“, eine geplante Privat- Uni für chinesische Studenten, bevor das Baltic College das traditionsreiche Haus übernahm und mit der Stadt einen vorerst zehn Jahre laufenden Mietvertrag abgeschlossen hat. Die derzeitigen umfangreichen Sanierungs- und Umbaumaßnahmen im alten Fridericianum werden etwa 3,9 Millionen Euro kosten – bezahlt von Bund, Land und Stadt. Im Erdgeschoss plant Architekt Michael Mikolajczyk Fachund Gruppenräume, Foyer, Bibliothek und Büros, im Obergeschoss Aula und weitere Seminarräume. Im Keller ist u. a. eine Cafeteria vorgesehen. Die Umsetzung dieser Pläne übernimmt der Sanierungsträger EGS. „Die Modernisierung des ehemaligen Fridericianums zählt zu den Schlüsselprojekten der Schweriner Stadterneuerung“, sagte EGS-Geschäftsführer Robert Erdmann zum offiziellen Baustart. Zum Wintersemester 2013/14 soll in dem Denkmal studentisches Leben herrschen. Das 2001 gegründete Baltic College ist die erste private Hochschule in MV. Sie zeichnet sich durch enge Verknüpfung von Studium und Wirtschaft aus. Junge Leute können in den Fachrichtungen Hotel- und Tourismusmanagement, Management für Gesundheitstourismus und Unternehmens-Management ihren Bachelor ablegen. Diese Studiengänge sind alle dual ausgerichtet, es gibt Praxisnähe und einen IHK Abschluss. Zudem bietet das Baltic College zwei Master-Studiengänge im Tourismus an. Der bisherige Träger, Dr. Sven T. Olsen, Inhaber der Seminarcenter- Gruppe, hat die Schweriner Privathochschule im vergangenen Monat an die Fachhochschule des Mittelstandes (FHM) mit Sitz in Bielefeld verkauft (SVZ berichtete). Die FHM, eine vom Wissenschaftsrat der Bundesrepublik institutionell akkreditierte Hochschule, verfügt nun neben ihren Standorten in Bielefeld, Köln, Pulheim, Hannover und Rostock auch über ein Standbein in der Landeshauptstadt von MV. Die Schweriner Studenten werden künftig von den mehr als 40 Professoren, 160 Experten aus der Wirtschaft, dem lebendigen Hochschul-Netzwerk und einem intensiven Wissenschaft-Praxis-Transfer profitieren.