4. November 2024

Aus dem missratenen Fritzelgen wurde ein berühmter Theatermann

Schweriner Volkszeitung

MONTAG, 4. NOVEMBER 2024

Aus dem missratenen Fritzelgenwurde ein berühmter Theatermann

Von Gunnar Müller-Waldeck

SCHWERIN – Besonders stolz kann Mecklenburg und seine Landeshauptstadt Schwerin auf den dort am 3. November 1744 geborenen Friedrich Ludwig Schröder sein, Sohn der berühmten Schauspielerin Sophie Charlotte Schröder (1714-1792), die sich mit beachtlichem Talent In verschiedenen Truppen allein durchs Leben schlug, denn vom Vater ihres „Fritzelgen“ hatte sie sich schon bald getrennt. Preußen, Polen, Kurland – bis nach St. Petersburg führte sie ihr schauspielerisches Wanderleben, das dem aufgeweckten Sohn und seinem Bildungsstreben wenig zusagte. Als die Mutter in zweiter Ehe Den Prinzipalder Ackermannschen Truppe Konrad Ernst Ackermann (1712-1771) heiratete und der in Königsberg ein eigenes Theatergebäude errichten konnte, fand sein Ziehsohn Friedrich Ludwig Endlich die nötige Ruhe. Im Pietistischen-Gymnasium„ Fridericianum“,derBildungstätte des großen Kant, erfuhr er wenigstens vorübergehend das Glück eines geregelten Lernens. Da die Eltern wegen des nahenden Siebenjährigen Krieges flüchteten und weder Kost noch Schulgeld für den Jungenschickten, setze man das Komödiantenkind kurzerhand auf die Straße. „Nehmt die Wäsche von der Leine, die Komödianten kommen!“ war nicht nur ein geläufiges Klischee, sondern zeugte oft von der bitteren Armut, in der sie lebten. Der junge Schröder, den sein Ziehvater mit Liebe, öfter auch mit Schlägen zu einem „ordentlichen Menschen“ hatte erziehen wollen, machte sich wohl einiger Jungenstreiche schuldig, die ans Kleinkriminelle grenzten. Als Ex-Gymnasiast verdingte er sich bei einem Flickschuster, später bei einem Seiltänzer. Zu den Eltern bestand zunächst keine Verbindung. Von dort war ohnehin nichts zu erwarten, denn der Stiefvater hatte dem schlaksigen,hochaufgeschossenen Jüngling mit der hohen Stimme jegliches Schauspieltalent Abgesprochen und hielt Ihn für missraten. In Kneipen, Schaubuden, Herbergen und ,gelegentlich im Gefängnis landend machte der Bursche unter anderem die Bekanntschaft eines Engländers, der ihn auf die Stücke Shakespeares aufmerksam machte. Diese Erstbegegnung faszinierte den Heranwachsenden  zumal die Entdeckung des englischen Dramatikers auf der deutschen Bühne noch nicht durchgesetzt war. Stiefvater Ackermann war indessen in der Schweiz ansässig und zog den Jüngling in seine Truppe, wo er ihn zum Tänzer ausbildete und auf einige komische Rollen vorbereitete. 1764 gingen die Ackermanns mit ihrer Truppe, zu der 1767 auch Conrad Ekhof gehörte, nach Hamburg, wo mit Lessing der Versuch gewagt wurde, ein Nationaltheater zu gründen. Das war ein Risiko. Trotzdem war der Enthusiasmus so groß, dass man am Gänsemarkt statt des ehemaligen Opernhauses ein eigenes Theatergebäude errichtete. Es waren erfolgreiche Monate, die den Höhepunkt des Ekhofschen Schaffens und der theaterpraktischen Arbeit Lessings bedeuteten. Lessing begleitete die Spielzeit, indem er Kritiken über Stückwahl, Inszenierungen und Schauspielerleistungen verfasste – gedruckt als „Hamburgische Dramaturgie“.  Dies stieß bei den Mimen auf wenig Gegenliebe und unterblieb denn auch. Das ganze Unternehmen, das ohne adligen Mäzen allein auf bürgerlichen Schultern ruhte, scheiterte 1769 aus Finanznot. Lessing wurde Bibliothekar des Herzogs von Braunschweig in Wolfenbüttel. Ekhof, „Vater des deutschen Schauspiels“, tourte wieder durchs Land, bis er schließlich hochgeehrt in Gotha ein festes Unterkommen fand. Als Ackermann 1771 starb, führten Mutter und Sohn die Truppe weiter. Nun begann der kometenhafte Aufstieg des Friedrich Ludwig Schröder, der ins tragische Fach wechselte. Ganz im Geiste Lessings löste er sich von der französischen Tradition, machte Shakespeares Dramen in Truppe, wo er ihn zum Tänzer ausbildete und auf einige komische Rollen vorbereitete. 1764 gingen die Ackermanns ihrer Truppe, zu der 1767 auch Conrad Ekhof gehörte, nach Hamburg, wo mit Lessing der Versuch gewagt wurde, ein Nationaltheater zu gründen. Das war ein Risiko. Trotzdem war der Enthusiasmus so groß, dass man am Gänsemarkt statt des ehemaligen Opernhauses ein eigenes Theatergebäude errichtete. Es waren erfolgreiche Monate, die den Höhepunkt des Ekhofschen Schaffens und der theaterpraktischen Arbeit Lessings bedeuteten. Lessing begleitete die Spielzeit, indem er Kritiken über Stückwahl, Inszenierungen und Schauspielerleistungen verfasste – gedruckt als „Hamburgische Dramaturgie“. Dies stieß bei den Mimen auf wenig Gegenliebe und unterblieb denn auch. Das ganze Unternehmen, das ohne adligen Mäzen  allein auf bürgerlichen Schultern ruhte, scheiterte 1769 aus Finanznot. Lessing wurde Bibliothekar des Herzogs von Braunschweig in Wolfenbüttel. Ekhof, „Vater des deutschen Schauspiels“, tourte wieder durchs Land, bis er schließlich hochgeehrt in Gotha ein festes Unterkommen fand. Als Ackermann 1771 starb, führten Mutter und Sohn die Truppe weiter. Nun begann der kometenhafte Aufstieg des Friedrich Ludwig Schröder, der ins tragische Fach wechselte. Ganz im Geiste Lessings löste er sich von der französischen Tradition, machte Shakespeares Dramen in Truppe, wo er ihn zum Tänzer ausbildete und auf einige komische Rollen vorbereitete. 1764 gingen die Ackermanns mit ihrer Truppe, zu der 1767 auch Conrad Ekhof gehörte, nach Hamburg, wo mit Lessing der Versuch gewagt wurde, ein Nationaltheater zu gründen. Das war ein Risiko. Trotzdem war der Enthusiasmus so groß, dass man am Gänsemarkt statt des ehemaligen Opernhauses ein eigenes Theatergebäude errichtete. Es waren erfolgreiche Monate, die den Höhepunkt des Ekhofschen Schaffens und der theaterpraktischen Arbeit Lessings bedeuteten. Lessing begleitete die Spielzeit, indem er Kritiken über Stückwahl, Inszenierungen und Schauspielerleistungen verfasste – gedruckt als „Hamburgische Dramaturgie“. Dies stieß bei den Mimen auf wenig Gegenliebe und unterblieb denn auch. Das ganze Unternehmen, das ohne adligen Mäzen allein auf bürgerlichen Schultern ruhte, scheiterte 1769 aus Finanznot. Lessing wurde Bibliothekar des Herzogs von Braunschweig in Wolfenbüttel. Ekhof, „Vater des deutschen Schauspiels“, tourte wieder durchs Land, bis er schließlich hochgeehrt in Gotha ein festes Unterkommen fand. Als Ackermann 1771 starb, führten Mutter und Sohn die Truppe weiter. Nun begann der kometenhafte Aufstieg des Friedrich Ludwig Schröder, der ins tragische Fach wechselte. Ganz im Geiste Lessings löste er sich von der französischen Tradition, machte Shakespeares Dramen in Deutschland heimisch, brachte Lessing, Schiller und Goethe auf die Bühne und kümmerte sich generell um die Sturm- und Drang-Dramatik. Er wurde gefeiert bei Gastspielen in ganz Deutschland, Wien und Paris. Er kehrte trotz lukrativer Angebote immer nach Hamburg zurück, wo er das kleine Landgut Rellingen erwarb. Dorthin zog er sich in späteren Jahren zur schriftstellerischen Arbeit zurückundstarbdort1816. Dichter Friedrich Gottlieb Klopstock, der ihn mehrfach als Darsteller erlebte, lobte die Natürlichkeit seiner Darstellung. Von seiner Mutter wird berichtet, dass sie von seinem Spiel als Geist im „Hamlet“ derart erschüttert war, dass sie es künftig vermied, ihn in tragischen Rollen zu sehen; aber auch in gehaltvollen komischen Rollen glänzte er bisweilen. Die großen Rollen des klassischen deutschen Repertoires und vornehmlich der Shakespearschen Tragödien – insbesondere „King Lear“– waren die Krönung seiner Bühnenlaufbahn. 1773 hatte Schröder die Sängerin, Tänzerin und Schauspielerin Anna Christina Hart (1755-1829) geheiratet, mit der gemeinsam er öfter auf der Bühne stand. Die Spannweite,mit der der große Theaterreformer in seinem 72-jährigen Leben wirkte, mutet nahezu unheimlich an, denn er war auch als Verfasser von Lustspielen und Schriften zum Theater erfolgreich und zudem eine wichtige Gestalt des deutschen Freimaurertums. In der Hamburger Loge hatte er es zum Meister vom Stuhle gebracht und  wurde als bedeutender Reformator bekannt. Eine Skulptur, die ihn mit freimaurerischen Insignien zeigte, wurde In der Nazizeit mit dem Logenhaus vernichtet, aber nach 1971 mit dem Gebäude in der Welckerstraße 8 rekonstruiert. Begraben wurde Schröder zunächst in Rellingen, später mit seiner Frau auf den um 1870 angelegten Zentralfriedhof Hamburg/Ohlsdorf Umgebettet, wo eine auch erst dann angefertigte Grabplatte die Stätte kennzeichnet.

 

Das Hamburger Theater für Schauspiel und Oper wurde 1767 bis 1769 als „Deutsches Nationaltheater“ bezeichnet. FOTO: VITAVIA (REPRO)

 

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