10. April 2013

Bis ans Limit: Theaterspiel gegen Sucht

Ein-Personen-Stück soll junge Leute für die Gefahren von Drogen sensibilisieren – Klassenräume werden zur Bühne und zum Gesprächsforum

SCHWERIN Florian will Spaß, dem Alltag entkommen, dafür geht er bis ans Limit. Der 16-Jährige trinkt regelmäßig Alkohol, bis er schließlich in einer Entzugsklinik landet – wo er noch einmal die Kurve kriegt. „Bis ans Limit“, heißt das Ein-Personen-Stück nach dem Roman von Brigitte Kolloch und Elisabeth Zöller, mit dem das Mecklenburgische Staatstheater junge Leute für die Gefahren des Drogenkonsums sensibilisieren möchte. Ensemble-Mitglied Bernhard Meindl schlüpfte jetzt auch vor Achtklässlern des Fridericianums in die Rolle des Florians. Eindringlich, authentisch, in der Sprache der Jugend spielte er in einer improvisierten Kulisse im Klassenraum den Schüler, der sich aus Lebensfrust und Liebeskummer in den Wodka flüchtet, bis sein Körper rebelliert. Nach der Aufführung kam Angela Marie Munser von der Präventionsstelle „Balfinplus“, einer Initiative des Verbundes für soziale Projekte (VSP) in Schwerin, mit den Schülern ins Gespräch. Sie redete mit den jungen Leuten über die Ursachen von Sucht und über Schutzfaktoren. „Ein gutes soziales Umfeld, ein starkes Selbstbewusstsein, aber auch spannende Hobbys können Jugendlichen helfen, sich gar nicht erst auf einen riskanten Umgang mit Alkohol einzulassen“, sagte Munser. Auch die Theaterpädagoginnen Susanne Rösch und Nadine Lippe saßen mit im Klassenraum. „Mit dem Stück sprechen wir die Jugendlichen auf Augenhöhe an, wollen Emotionen erzeugen“, erklärte Rösch. Bewusst werde „Bis ans Limit“ nicht nur auf einer professionellen Bühne gezeigt, sondern auch in der gewohnten Umgebung der Schüler, rund 20-mal sei das Stück in der Bearbeitung von Rainer Hertwig schon für siebte bis zehnte Klassen aufgeführt worden. „Junge Schüler reagieren oft geschockt, ältere berichten manchmal auch von ihren ersten Erfahrungen mit dem Alkohol“, schilderte Angela Marie Munser. „Das Theaterstück macht die Gefahren des Drogenkonsums auf eine besonders eindringliche Weise transparent“, sagte Heike Seifert, die bei der Stadt für das Thema Suchtprävention zuständig ist. Gemeinsam mit Balfinplus holt sie die Akteure der Sucht- und Drogenberatung in der Landeshauptstadt, aber auch Mediziner an einen Tisch, um Strategien gegen die Abhängigkeit zu entwickeln. „Wir setzen nicht auf Abschreckung, sondern auf Handlungskompetenz“, so Seifert. Wer sich für das Stück „Bis ans Limit“ interessiert, kann sich unter Telefon 0385-5300246 an das Mecklenburgische Staatstheater wenden.

Christian Koepke

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