Bolyai: Logik lohnt sich
Hi Johanna, schön, dass du dir Zeit für unser Interview nimmst! Du hast vor einigen Wochen an einem Mathematik-Teamwettbewerb teilgenommen. Kannst du uns kurz erklären, worum es bei diesem Wettbewerb geht?
Johanna: Gerne! Also bei diesem Wettbewerb handelt es sich um den Internationalen Mathematik Teamwettbewerb “Bolyai”. Teilnehmen können Schüler der Klassen 3-12 und man tritt, wie der Name ja bereits gesagt, im Team an. Ein Team besteht dabei aus zwei bis vier Teilnehmern und es sind gemeinsam 14 Aufgaben zu lösen – 13 davon als Multiple-Choice-Aufgaben. Jede Aufgabe hat fünf mögliche Antworten, von denen mehrere zutreffen können, aber nicht müssen. Somit sind also immer 32 Ankreuz-Kombinationen möglich. Die letzte Aufgabe ist eine “individuelle Aufgabe”, bei der auch die Begründung zählt. Ah, ja! Ein Teamwettbewerb ist natürlich schon nochmal was anderes als ein Wettbewerb, an dem man alleine teilnimmt.
Unterscheidet sich der Bolyai-Wettbewerb noch in weiteren Teilen von anderen Mathematik-Wettbewerben?
Johanna: Ja, naja. Also ich würde schon sagen, dass der Bolyai-Wettbewerb etwas Besonderes ist. Insbesondere die Mathematik-Olympiade, die ja auch einmal jährlich stattfindet, kann man damit gar nicht vergleichen, finde ich. Dort geht es eben eher um die Idee, wie man an eine Aufgabe rangeht und viel auch um den Weg zur Lösung, während es sowohl beim Bolyai- als auch beim Kängeru-Wettbewerb, ein weiterer Wettbewerb, an dem man jedoch einzeln teilnimmt, eher um die schnelle Lösung und weniger um den Prozess dahingeht. Natürlich braucht man für die Lösung auch immer irgendwie einen Ansatz, aber der ist eben nicht wichtig, wenn die angekreuzten Lösungen nicht stimmen. Der Unterschied zwischen dem Bolyai- und dem Kängeru-Wettbewerb ist eben der Team-Aspekt. Beim Kängeru-Wettbewerb arbeitet man nicht wie beim Bolyai-Wettbewerb im Team zusammen und kann sich beim Lösen der Aufgaben auch nicht leise beraten, sondern ist auf sich alleine gestellt. Außerdem darf man beim Bolyai-Wettbewerb ab Klasse 9 einen Taschenrechner verwenden, beim Kängeru-Wettbewerb jedoch nicht.
Kannst du uns etwas über dein Team erzählen? Wie habt ihr zusammengearbeitet?
Johanna: Ich habe gemeinsam mit Anna und Swantje aus meinem Mathe LK und Sophia, die auch in unseren Jahrgang geht, teilgenommen und es hat echt super funktioniert. Zunächst einmal haben wir jede einzeln alle Aufgaben durchgelesen und uns dabei gleich diejenigen angekreuzt, von denen wir gedacht haben, dass wir sie lösen könnten. Danach haben wir uns kurz abgestimmt, wer welche Aufgabe machen möchte und uns dann damit beschäftigt. Auch zwischendurch haben wir einander immer mal wieder kleine Fragen gestellt, falls ein Denkanstoß nötig war. Zum Schluss haben wir uns dann gemeinsam mit den Aufgaben beschäftigt, bei denen wir uns irgendwie unschlüssig waren. Ich finde, die Zusammenarbeit hat echt super funktioniert.
Und wie fühlst du dich, wenn du an euer Endergebnis denkst?
Johanna: Ganz gut, um ehrlich zu sein. Natürlich geht es immer besser, aber ich für meinen Teil war, als wir bereits zwei Tage nach der Teilnahme die vorläufigen Ergebnisse einsehen konnten, schon positiv überrascht. Aus unserem Teil Deutschlands – dazu zählen Berlin, Hamburg, Brandenburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern – sind wir aus über 70 Teams 17. geworden. Das ist schon nicht schlecht.
Na dann Herzlichen Glückwunsch! Wir hätten noch eine letzte, etwas allgemeinere Frage an dich – was fasziniert dich an Mathematik? Hast du ein Lieblingsgebiet?
Johanna: Mich interessiert vor allem das Tüfteln und das kreative Denken, das oft hinter den Aufgaben steckt – weniger das bloße Rechnen. Mir macht die “Schul-Mathematik” zwar schon Spaß, aber besonders spannend finde ich Aufgaben, wie man sie zum Beispiel aus Mathematik-Olympiaden kennt: Man hat Zeit, wirklich über ein Problem nachzudenken, verschiedene Wege auszuprobieren und dann die richtige Idee zu finden. Was die Teilgebiete angeht, würde ich dementsprechend natürlich in Richtung Logik tendieren, habe jetzt aber kein eindeutiges LIEBLINGSGEBIET. Die Arithmetik würde mir dazu vielleicht noch einfallen. Nicht ganz so sehr mag ich die Geometrie. Das hängt aber eher damit zusammen, dass Zeichnen nicht gerade zu meinem Lieblingsbeschäftigungen gehört.
-Johanna M.