5. Februar 2020

Bunte Bonbons entscheiden über die Fraktionssitze

ALTSTADT Die Badeanstalt Kaspelwerder wird renoviert, der Nahverkehr wird für Jugendliche günstiger und Schulen können demnächst in einem Wettbewerb für Klimaprojekte Preisgelder gewinnen. Das wurde gestern im Demmlersaal beschlossen. Leider nur im Planspiel „Jugend im Rathaus“, das zum ersten Mal in Schwerin stattfand.  „Es macht sehr viel Spaß, weil es fast so ist, wie in der Realität“, findet die Schülerin Rieke Jelinek. Sie ist mit ihrer ganzen Klasse hier – der 8a des Fridericianums. Zu Beginn zog jeder Schüler ein Bonbon aus einer Schale und wurde entsprechend der Farbe einer Fraktion zugeordnet. Schüler mit einem grünen Bonbon gehörten zur Familienfraktion, gelb stand für die Klimafraktion. Wer ein Oranges zog, war in der Partei für Kinder und Jugendliche. Rieke Jelinek nahm ein rotes Bonbon und gehörte damit zur Wirtschaftsfraktion, die durch die Renovierung des Freibads Kaspelwerder den Tourismus ankurbeln wollte. Als Jelinek mit ihrer Gruppe den Antrag ausfüllt, weiß sie bereits: So ein Planspiel würde sie gerne wieder mitmachen.  Auch die Organisatoren vom Kinder- und Jugendrat sowie vom Büro der Stadtvertretung waren zufrieden. „Wir freuen uns, dass die Schüler so kontrovers diskutieren. Besser hätte unsere Premiere nicht laufen können“, sagt Imke Dette vom Schweriner Jugendring, der den Kinder- und Jugendrat betreut. Sie wünscht sich, dass das Planspiel regelmäßig stattfindet, um möglichst vielen Klassen eine Teilnahme zu ermöglichen. Oberbürgermeister Rico Badenschier und Stadtpräsident Sebastian Ehlers begrüßten die Schüler, gaben Einblicke in ihre tägliche Arbeit und erzählten von ihrer eigenen Schulzeit. Badenschier nahm als Zehntklässler selbst an einem Planspiel teil – als amerikanischer Präsident. „Vielleicht findet ihr ja Gefallen daran und sitzt hier in fünf Jahren, wenn ihr gewählt werden könnt“, sagte der Oberbürgermeister. Patrick Nemitz erklärte den Schülern, wie eine Sitzung abläuft und wie sie die Anträge richtig ausfüllen. Kaum hatte der Leiter des Büros der Stadtvertretung das Mikro aus der Hand gelegt, diskutierten die Schüler auch schon los. Was wollen wir durchsetzen? Wie können wir das finanzieren? Wie überzeugen wir die anderen Fraktionen davon?  „Es ist gar nicht so leicht, unter solchem Zeitdruck zu arbeiten“, sagt Erik Larsen. 40 Minuten hatten die Jugendlichen, bis Nemitz ihre Anträge einsammelte, und weitere 20 Minuten, um sich mit den anderen Beschlussvorschlägen vertraut zu machen.  Spaß gemacht hat es den Schülern trotzdem, sich ihre eigenen Themen auszusuchen und andere von ihren Lösungen zu überzeugen.

Von Sarah Heider

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