Carpe Diem: und der Lateintag gleich mit
Navigare necesse est! („Zur See fahren muss man eben!“) Besuch des 3. Rostocker Studientags zur römischen Welt Die Römer hatten, ebenso wie die Griechen, ein zwiespältiges Verhältnis zur Schifffahrt: Einerseits wurden die Provinzen des Imperium Romanum durch das Mittelmeer, welches sie mare nostrum („unser Meer“) nannten, vernetzt, indem es Truppentransporte, den Güterverkehr sowie den Transfer von technischem Knowhow ermöglichte; andererseits begegnete der antike Mensch, wie die verschiedenen Gattungen der uns überlieferten Literatur zeigen, dem offenen Meer mit Unbehagen: Gewarnt wurde nicht nur vor Seeräubern, vor unvorhersehbaren Stürmen, Seekrankheit und Schiffbruch; zu den realen Bedrohungen dichtete man etliche Ungeheuer hinzu, die auf und unter der Wasseroberfläche oder an der Küste lauerten. Die Römer und das Meer – ein lohnendes Thema, nicht nur weil uns die Alten Sprachen mit zahlreichen Begriffen versorgt haben, um über das Meer und die Schifffahrt zu sprechen: Man denke an Navigation und Navigator (navis – „Schiff“), Nautik, Nautilus, aber auch Astronaut (nauta – „Seemann“), Pirat (pirata), Sonar und Echolot (sonus / χή – „Schall“), Sirene (Σειρήν – das Fabelwesen mit dem betörenden Gesang), Marine und marinieren (mare – „Meer(wasser)“), Apnoetauchen (πνους – „ohne Atmung“), Thalassophobie (θάλασσα – „Meer“; φόβος – „Furcht“), Alge (alga – „Seetang“), Krabbe (κάραβος) und Oktopus (κτώ – „acht“; πούς – „Fuß“). Auch haben viele maritime Motive heutiger Bücher und Filme in der Literatur der Griechen und Römer ihren Ursprung: die Meerjungfrau, der vermenschlichte Delfin, Seeungeheuer, die Irrfahrt, die Reise ans Ende der Welt. Nicht zuletzt bieten uns die antiken Dichter, Philosophen, Historiker und Fachschriftsteller Vor- und Gegenbilder dazu, wie wir mit Elementen der Natur umgehen, die sich, ungeachtet des technologischen Fortschritts, einer kompletten Kontrolle durch den Menschen entziehen. Um tiefer in die römische Antike einzutauchen und eine genauere Vorstellung von der Kultur und Arbeitsweise der altertumswissenschaftlichen Fächer zu bekommen, haben am 27.09.2024 über 330 Schüler:innen mit 27 Lehrer:innen von 19 Schulen aus ganz Mecklenburg-Vorpommern den Ulmencampus der Universität Rostock besucht. Das Fridericianum war mit 25 Schüler:innen vertreten, die von Frau Dr. Rink und Herrn Dr. Mielke begleitet wurden. Neben den Vorträgen und Schnupperkursen zum Oberthema konnten sich die Teilnehmer:innen zu den Studiengängen, die das Heinrich Schliemann-Institut für Altertumswissenschaften der Universität Rostock anbietet, informieren. Mittagessen gab es in der Campusmensa. Der Rostocker Studientag zur römischen Welt ist eine jährliche Veranstaltungsreihe. Das Fridericianum war seit Beginn dabei. Eine Fortsetzung im Jahr 2025 ist fest eingeplant.