Hagen Paetow (l.) hat am Fridericianum Abitur gemacht. Heute forscht er gemeinsam mit Dr. Michael Stiehm an Stents, die ins Gehirn eingebracht werden. Dazu zeigen die beiden Wissenschaftler ein Gefäßmodell aus dem 3-D-Drucker. Foto: Maren Ramünke-Hoefer
1. November 2023

Chancen für Gymnasiasten

Fridericianum und Uni Rostock unterzeichnen Kooperationsvertrag für Praktika

Maren Ramünke-Hoefer

Wenn Prof. Dr. Klaus-Peter Schmitz von der Arbeit im Institut für Implantat Technologie und Biomaterialien e.V. Warnemünde (kurz IIB) spricht, dann leuchten seine Augen, lächelt sein Gesicht, versprüht er Begeisterung und Optimismus. Er redet von hoher Ingenieurskunst und winzig kleinen Teilchen, die Leben retten und die Welt verändern können: Am Warnemünder Institut werden Herzklappenprothesen erfunden, es wird geforscht an Stents gegen Aneurysmen im Gehirn und an biologisch abbaubaren Mikro-Stents, die in Eileiter implantiert werden können. Diese Technologie, die sich noch im Entwicklungsstadium befindet, könnte kinderlosen Paaren eine natürliche Alternative bieten zur teuren künstlichen Befruchtung. Prof. Schmitz ist der Direktor des Warnemünder Forschungsinstituts, in dem knapp 40 Wissenschaftler an der Gesundheit von morgen arbeiten Seit dem 10. Januar ist das IIB außerdem fest verbunden mit dem Schweriner Fridericianum. Sogar schriftlich. In einer Feierstunde in der Aula wurde eine Kooperationsvereinbarung unterschrieben, die für eine intensive partnerschaftliche Zusammenarbeit bürgen soll.

Beide Seiten profitieren davon. Das IIB macht sich bei den klugen Köpfen von heute und Fachkräften von morgen bekannt und beliebt. Und das Fridericianum vergrößert sein Ansehen als MINT-Profilschule, die Abiturienten in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) fördert. Während der Schulzeit dürfen nun Oberstufenschüler mit dem IIB Wissenschaftsluft schnuppern – durch Fachvorträge, Studienberatung, Workshops und Praktikumsmöglichkeiten. In der Klassenstufe 11 sind sogar zweiwöchige Exzellenzpraktika vorgesehen, auf die sich Schüler und Schülerinnen speziell bewerben müssen. Fünf Plätze stehen jedes Jahr bereit.

„Über diese Chance freue ich mich riesig“, sagt Christin Bouvier, die als Biologielehrerin gemeinsam mit Florian Kruse vom Fachbereich Chemie maßgeblich an der Konzeptentwicklung beteiligt war. „Das Fridericianum gewinnt hiermit eine hervorragende Anbindung an den Forschungs- und Technologiestandort Rostock“, ergänzt er. Schulleiter Dr. Uwe Dietsche erklärt, dass Zukunftsbranchen wie die Medizintechnik bei den Abiturienten hoch im Kurs stünden.

Schon heute arbeiten Schweriner und sogar ehemalige „Fritz“-Schüler am IIB in Warnemünde. Geschäftsführerin Andrea Bock beispielsweise stammt aus der Landeshauptstadt, ebenso wie Dr. Valeria Khaimov, die die Arbeitsgruppe Biomaterialien leitet. Dr. Sebastian Kaule besuchte das Fridericianum von der 5. bis zur 11. Klasse, arbeitet seit 2014 am Institut an der Ostsee und beschäftigt sich heute mit der Entwicklung von stentbasierten Herzklappenprothesen.

Hagen Paetow konzentriert sich als Doktorand am IIB auf interkranielle und resorbierbare Stents. Er hat am Fridericianum Abi gemacht. „Als ich mein Zeugnis in der Tasche hatte, war mir klar, dass ich Ingenieur werden wollte“, erinnert er sich. Ein Mann, ganz nach dem Herzen von Prof. Dr. Klaus-Peter Schmitz. Ingenieure haben Deutschland groß gemacht, betont er. Sie seien für alles da und könnten extrem gut gestalten. „Aber wir werben auch für jedes andere Studium“, sagt der Instituts-Leiter. An der Uni lerne man logisches Denken und wissenschaftliches Arbeiten. „Wenn sich einer anstrengt, kann er alles werden im Leben“, ist Prof. Schmitz überzeugt. Erst recht, wenn er auf so ein „hervorragendes Gymnasium“ wie das Fridericianum in Schwerin gehe. Sein Institut wolle helfen, die Schüler mit dem nötigen Selbstbewusstsein auszustatten.

Hagen Paetow (l.) hat am Fridericianum Abitur gemacht. Heute forscht er gemeinsam mit Dr. Michael Stiehm an Stents, die ins Gehirn eingebracht werden. Dazu zeigen die beiden Wissenschaftler ein Gefäßmodell aus dem 3-D-Drucker.
Foto: Maren Ramünke-Hoefer

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