3. September 2022

Der stille Künstler

Foto: Archiv Dettmann

Lutz Dettmann

Die mecklenburgische Landschaft hat Karl Hennemann in zahlreichen Druckgrafiken festgehalten. Es sind Bilder voller Innigkeit und Stille, die auch von der Liebe zu dieser Heimat zeugen. In diesem Jahr jährte sich der Todestag des Künstlers zum 50. Mal. Karl Hennemann wurde am 24. August 1884 in Waren geboren. 1890 zog die Familie nach Güstrow und 1898 nach Schwerin. Hennemann besuchte hier das Gymnasium Fridericianum und begann nach dem Abitur 1901 ein Studium an der Kunstgewerbeschule Hamburg. Noch im selben Jahr wechselte er an die Kunstschule Berlin und später auch noch an die Akademie der Bildenden Künste München. Hennemann, der 1912 die Malerin Helene Bartsch geheiratet hatte, legte in den Anfangsjahren seiner künstlerischen Tätigkeit den Schwerpunkt auf die Landschaftsmalerei. 1920 wechselte er in die Druckgrafik, da sich diese Technik, wohl auch durch die wirtschaftlichen Verhältnisse nach dem ersten Weltkrieg, besser verkaufte. Er trat der „Freien Vereinigung der Graphiker“ Berlins bei und entwickelte sich in den Folgejahren zu einem der führenden Künstler auf diesem Gebiet. Ausstellungen in Schwerin, Rostock, Lübeck, Kiel, Hamburg, Berlin und anderen Orten zeugen von seiner Popularität, zahlreiche Stiche Hennemanns sind erhalten. Hennemanns Atelier befand sich bis 1943 in Berlin. Doch es zog ihn immer wieder nach Mecklenburg, in die Landschaft, aus der er seine Motive schöpfte. Nach der Zerstörung des Berliner Ateliers kehrte er nach Schwerin zurück und wohnte mit seiner Frau und seinem Bruder Hans in der Schelfstraße 28. Nach 1945 trat er dem „Verband der Bildenden Künstler der DDR“ bei, lebte aber immer mehr zurückgezogen. Im hohen Alter, als er körperlich nicht mehr in der Lage war, den Stichel zu beherrschen, entdeckte Hennemann das Aquarell für sich. Stimmungsvolle Landschaften, zum Teil abstrakte Bilder entstanden. Im 87.Lebensjahr starb der Künstler in Schwerin. Sein Grab befindet sich auf dem Alten Friedhof. „Er ist einer der Stillen im Land (…)“, schreibt Edmund Schröder in einem Nachwort zu einer Graphiksammlung Hennemanns. Und diese Stille, dieses Insichruhen erlebt der Betrachterin jedem Werk Hennemanns. Man spürt die Ruhe, die Sattheit des vergehenden Sommertages, wenn man den verlassenen Weg zwischen den reifen Getreidefeldern sieht. Auch seine Gemälde und Aquarelle strahlen diese Atmosphäre aus: Das stille Leuchten der schon untergegangenen Sonne hinter dem Birkenwäldchen. Hennemanns Bilder und Grafiken laden zum Ausruhen der Sinne ein. Ein Grund wohl, dass das Werk Hennemanns nie vergessen wurde. Dafür ist seine Kunst, aus Holz Bilder zu schneiden, unter den mecklenburgischen Malern wohl am größten. Zu Hennemanns 100. Geburtstag würdigte das Staatliche Museum den Künstler mit einer vielbeachteten Ausstellung. Es verfügt über einen bedeutenden Teil der Druckgrafik des Künstlers und viele seiner Gemälde.

Die Grafik mit dem Titel „Feldweg“ zeigt Hennemanns Verbundenheit
zu seiner mecklenburgischen Heimat. Foto: Archiv Dettmann

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