Der vergessene Friedhof
Geschichten zur Schweriner Geschichte – Heute: die frühere Begräbnisstätte am Lobedanzgang
Von Carolin Beiche und Jakob Schwichtenberg
FELDSTADT „Ich bin überzeugt, dass viele Schweriner ihren Fuß noch nicht auf den Domfriedhof gesetzt haben, und es ist wohl auch in mehr als einer Richtung nicht lohnend, diesen der Vergessenheit anheimfallenden Platz einmal mit offenen Augen gesehen zu haben“, schrieb ein Schwerin-Besucher Anfang des 20. Jahrhunderts. Mehr als hundert Jahre sind seit dieser Beobachtung vergangen.
Mittlerweile ist der vordere Teil des ehemaligen Begräbnisplatzes ein viel besuchter Ort geworden, denn hier steht das heutige Fridericianum, das von 1914 bis 1916 als städtisches Lyzeum erbaut worden war.
Doch das Wissen davon, dass die Fläche zwischen dem heutigen Parkplatz des Schlosspark-Centers und der Goethestraße von 1786 an fast ein Jahrhundert lang als Begräbnisstätte für die Altstadt diente, ist aus dem kollektiven Gedächtnis der Schweriner verschwunden.
Im Verlauf des 18. Jahrhunderts wuchs die Klage über den Zustand der beiden städtischen Friedhöfe am Dom und an der Schelfkirche laut, weil der Verwesungszustand der Kirchen- und angrenzenden Stadträume immer stärker parfümierte.
Herzog Friedrich ordnete daraufhin am 29. April 1773 die Verlegung der Friedhöfe vor die Stadt an. Die Arbeiten am Neustädtischen Friedhof begannen oberhalb des Ziegeleiangesses – heute befindet sich dort der Schleifpark.
In der Altstadt herrschte eine ungleiche Bestattungsdichte. Hierdurch vergrößerte sich die Herrichtung einer entsprechenden Anlage.
Im Jahr 1786 wurde oberhalb der heutigen Goethestraße der Domfriedhof bezeichnete Begräbnisplatz eingeweiht. Glanzstück der Anlage war der backsteinernen Kapellenhaus des herzoglichen Architekten Johann Joachim Busch.
Mit der Verschönerung der Anlage wurde 1836 Schwerins bedeutender Hofgärtner Theodor Klett beauftragt. Eine Lindenallee begleitete den mittigen Hauptweg.
Ausgeführt wurde der Friedhof durch den Kunstgärtner Carl Adolph Wilhelm Lobedanz, dem die über dem Friedhof liegende Straße im Jahr 1925 benannt wurde.
Die wachsende Wegebelegung ist bis heute erhalten – direkt hinter dem ehrwürdigen Schulbau.
Wer den Lobedanzgang zwischen dem Rathaus des Schlosspark-Centers und der Rückseite des Fridericianums betritt, wird diese Allee als Einmündung in die Eingangsseite erkennen.
Hier finden sich zahlreiche Erinnerungsstücke an den Friedhof aus zerlegten Kulturdenkmälern, die den Spagat zwischen Erinnern und Vergessen sichtbar machen.