Die Suchtgefahr ist überall
Schweriner Volkszeitung, 03.02.2023, Max Holz
Präventionsprojekt „Ich fahr ohne“ am Fridericianum: Ehemalige Drogenabhängige im Gespräch mit Schülern
An Schwerins ältestem Gymnasium dürfen Schüler der Oberstufe derzeit an einem besonders wichtigen Projekt teilnehmen: Noch bis heute findet im Fridericianum das Projekt: „Ich fahr ohne“ statt. Es ermöglicht den Schülern die Auseinandersetzung mit dem Thema Alkohol- und Drogenkonsum im Straßenverkehr. Veranstaltet wird das Projekt von Verwaltungsrichterin Dr. Christine Farys und Peter Barkowski von der Fahrerlaubnisbehörde des Landkreises Nordwestmecklenburg. Schwerpunktmäßig soll es um die Gefahren von Alkohol und Drogen gehen, insbesondere um die Risiken im Straßenverkehr.
Christine Farys ist im Vorstand des Jugendrechtshauses Schwerin tätig. Sie sieht eine dringende Notwendigkeit darin, Jugendliche über die Gefahren von Rauschgift aufzuklären. „Man muss Kindern erklären, dass Drogen keineswegs harmlos sind“, sagt sie. „Die Suchtgefahr ist überall, oft auch schon in den 9. und 10. Klassen“, erzählt sie weiter.
Für das Projekt werden Schüler dieser Klassenstufen für jeweils zwei Unterrichtsstunden aus dem Schulalltag genommen. Während der ersten Stunde erfahren die Jugendlichen Daten und Statistiken zum Umgang mit Alkohol und Drogen. Außerdem bekommen sie hautnahe Erfahrungsberichte von ehemals Drogenabhängigen der evangelischen Suchtkrankenhilfe. Im Anschluss werden die Schüler über die rechtlichen Konsequenzen aufgeklärt. Auch Informationen über mögliche Fahrverbote und Bußgelder werden vermittelt. „Man kann sein Leben selber gestalten“, so Farys.
„Wir wollen deutlich machen, dass selbst blankes Probieren schon zum Fahrlehrerlaubnisverlust führen kann und das auch außerhalb des Straßenverkehrs“, erklärt Peter Barkowski. Verdeutlicht werden müsse zudem, dass auch ein Fahrrad ein Fahrzeug ist. „Viele junge Menschen wissen nicht, dass, wenn man mit 1.6 Promille auf dem Fahrrad erwischt wird, mit Führerscheinentzug, Geldstrafe und der Medizinisch- Psychologischen Untersuchung gerechnet werden muss“, erklärt Barkowski. Der Fachmann von der Fahrerlaubnisbehörde versucht zudem den Schülern die Nachweisbarkeit von Cannabis zu verdeutlichen. „Cannabis kann man noch monatelang in den Haaren nachweisen“, sagt er.
„Die Schüler sind in einem Alter, in dem sich viele fragen, ob sie den Führerschein machen“, so Barkowski.
Der Schulleiter des Fridericianum, Dr. Uwe Dietsche, war sofort von dem Projekt begeistert. „Als ich von dem Projekt gehört habe, habe ich sofort ja gesagt“, erzählt er. Beim Thema Drogen sollen Schüler sowohl theoretisch als auch praktisch an Weichen kommen. „Ich finde es super wichtig, Kindern die Gefahren so früh wie möglich beizubringen“, sagt Dietsche. Er könne bereits erste Erfolge des Projekts bei seinen Schülern erkennen. „Die Jugendlichen waren unheimlich beeindruckt von den Erfahrungen der ehemals Drogenabhängigen“, berichtet er.

Foto: Karl-Josef Hildenbrand