27. Juni 2014

Fridericianer streichen Vorurteile

FELDSTADT Welche Bilder und Bewertungen verbinden junge Deutsche mit Polen? Die Antworten von Schülern der 11. Klassen des Fridericianums vor dem Start ihres deutsch-polnischen Jugendbegegnungsprojektes dürften sich kaum von allgemeinen Vorurteilen unterscheiden: Polen klauen, das Land ist grau, die Menschen sind anders. Als sie jedoch gestern die Ergebnisse ihrer Projektarbeit in der Aula des Gymnasiums öffentlich präsentierten – die polnischen Partner waren per Web-Cam live zugeschaltet – hörte sich das grundlegend anders an: „Wir sind uns sehr ähnlich, können uns gut verstehen, lachen zusammen und haben gemeinsam viel Spaß“, fasste Marie-Charlotte Gertich bei der Präsentation die Eindrücke der Fridericianer zusammen. Kim Meier ergänzte: „Alle Leute, denen wir in Borne Sulinowo begegnet sind, waren freundlich und sehr nett, wir fühlten uns bei den Begegnungen wie bei Freunden.“ Entstanden sind während des Projekts, das vom Verein Politische Memoriale Mecklenburg- Vorpommern organisiert worden war, eine interessante, aussagekräftige Broschüre und ein Film mit dem Titel „Das Eigene und das Fremde – swoi i obcy“. „Wir können dieses Material sehr gut im Unterricht einsetzen, etwa in den Fächern Sozialkunde, Geschichte und Deutsch“, sagte Lehrerin Christine Kindt vom Gymnasium Fridericianum, die gemeinsam mit Simone Labs von Politische Memoriale das Projekt begleitet hatte. Gestartet war es im August vergangenen Jahres mit der theoretischen Auseinandersetzung mit Vorurteilen, Ausgrenzung und Diskriminierung. In den Herbstferien folgte ein einwöchiger Besuch bei Jugendlichen der Stadt Groß Born in der Wojewodschaft Westpommern etwa 150 Kilometer östlich von Stettin. Zum Gegenbesuch kamen die jungen Polen in den Osterferien. Dazwischen wurde unter anderem per Internet und in den sozialen Medien miteinander kommuniziert. Gearbeitet wurde während der Begegnungen mit Rollenspielen und in gemischten Gruppen, geforscht wurde gemeinsam. Denn zum Thema gehörte auch die Beschäftigung mit Geschichte. Während des Zweiten Weltkrieges gab es bei Groß Born ein großes Kriegsgefangenenlager, an das heute eine Gedenkstätte und ein Museum erinnern – genau wie in Schwerin im Grünen Tal und in Wöbbelin an das ehemalige KZ. All diese Stätten wurden gemeinsam aufgesucht und die Exkursionen auch gemeinsam ausgewertet. „Dabei haben wir auch über unangenehme Fragen gesprochen, etwa ob die Polen uns Deutschen noch vorhalten, was damals passiert ist“, berichteten die Fridericianer. Die jungen Polen waren daran interessiert zu sehen, wie Demokratie in Deutschland funktioniert. Für sie war der Besuch im Schweriner Landtag ein Höhepunkt. Ruoyu Gu, ein junger Schweriner mit Migrationshintergrund, berichtete aus eigenen Erleben von Diskriminierung und Vorurteilen im deutschen Alltag. Die Auseinandersetzung mit Diskriminierung bleibt auf der Tagesordnung.

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