14. Februar 2019

Friedenspfeife für die Promenade

Nach Partyärger am Ziegelsee: Oberbürgermeister holte Anwohner, Jugendliche, Polizei und Helfer an einen Tisch

Schweriner Volkszeitung, 14.02.2019, Christian Koepke

SCHWERIN Der Start war holprig. Auf orangefarbenen und grünen Karten sollten die Gäste des Runden Tisches aufschreiben, was ihnen an der Situation auf der Ziegelseepromenade missfällt und wie sich die Lage verbessern könnte. „Das ist doch Kinderkram“, ereiferte sich ein Gast und erntete viel Zustimmung. „Wir kennen doch das Problem, um das es geht.“ Aber Moderatorin Regina Dorfmann ließ nicht locker, verteilte die Karten. Auch Oberbürgermeister Rico Badenschier kennt „das Problem“, das im Sommer vergangenen Jahres aufploppte: junge Leute, die bis tief in die Nacht auf der Promenade Party machen und den Anwohnern Nerv und Schlaf rauben (SVZ berichtete). Mit der Einladung zur Versammlung im Stadthaus habe er extra bis zum Winter gewartet, damit sich die Gemüter etwas abkühlen, sagte Badenschier. Es helfe nur ein Bade- und Sportverbot auf der Promenade, erklärte ein Anwohner, der sich als gewählter Mietervertreter vorstellte. „Gespräche mit den Jugendlichen sind sinnlos.“ Immer wieder sei die Feuerwehr- Zufahrt vor Ort zugeparkt, klagte eine Frau, die sich zu Wort meldete. Sie habe sich auch schon mal von jungen Leuten im Treppenhaus bedroht gefühlt. Jon David Wollenteit, Schülersprecher des Fridericianums, warnte vor Pauschalisierungen, nur ein konstruktiver Dialog helfe weiter.  Vera Hirte, Chefin des Speicher- Hotels, berichtete von betrunkenen Jugendlichen, die in ihrem Hotel zur Toilette gehen würden. „Es bringt aber auch nichts, von den Balkonen zu pöbeln“, sagte sie. Alle Beteiligten müssten aufeinander zugehen. Verständnis für die Jugendlichen zeigte auch eine andere Anwohnerin: „Junge Leute wollen im Sommer baden und feiern.“ Die Stadt sollte einfach bessere Bedingungen am Lankower See schaff

en. Schwerins Polizeichef Lutz Müller wies Vorwürfe zurück, die Ordnungshüter würden an der Ziegelseepromenade nicht genug tun. Sechsmal sei die Polizei im vergangenen Jahr wegen ruhestörenden Lärms gerufen worden, habe aber auch darüber hinaus Präsenz gezeigt, sagte Müller. Auch Ordnungsamtschefin Gabriele Kaufmann wehrte sich gegen Kritik. Ihre Mitarbeiter würden „überdurchschnittlich oft“ an der Promenade patrouillieren, versicherte sie. Matthias Crone, Bürgerbeauftragter des Landes, sprach sich für einen „Weg der kleinen Schritte“ aus, um eine „vernünftige Balance“ zwischen den unterschiedlichen Interessen zu finden. OB Badenschier nahm den Ball auf. Die Stadt werde Alternativen für Jugendliche prüfen, über Schilder mit Benimmregeln an der Promenade nachdenken, sich darum kümmern, dass die örtliche Feuerwehr-Zufahrt offen bleibt und ein Auge auf die Sauberkeit haben, kündigte der Verwaltungschef an. Olaf Hagen von der Sozialdiakonischen Arbeit – Evangelischen Jugend brachte den „Tag des Nachbarn“ am 24. Mai als Tag für eine gemeinsame Aktion von Anwohnern und Jugendlichen ins Spiel. Eine gute Idee – in diesem Punkt waren sich alle Anwesenden einig.

 

Im Stadthaus versammelten sich rund 40 Anwohner und weitere Interessierte, um eine Lösung für den Streit am Ziegelsee zu finden

Sommerliche Idylle am Ziegelsee – sie lockte im vergangenen Jahr nicht nur Spaziergänger, sondern auch feiernde Jugendliche an.

Fotos: Reinhard Klawitter

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