Gegen das Vergessen – unsere Partnerschaft mit der Stiftung 20. Juli 1944
Wo Unrecht zu Recht wird – Vorbilder früher und heute
„Wir haben diese Tat auf uns genommen, um Deutschland vor namenlosem Elend zu bewahren. Ich weiß, dass ich dafür gehängt werde, bereue meine Tat nicht und hoffe, dass sie ein Anderer in einem glücklichen Augenblick durchführen wird.“ Dies sind die letzten Worte von Fritz-Dietlof von der Schulenburg vor dem Volksgerichtshof 1944. Am 10. Juli 2025 fand an unserer Schule eine besondere Vorlesung statt: Die Publizistin Elisabeth Ruge sprach über den deutschen Widerstand in der Zeit des Nationalsozialismus – mit dem Fokus auf das Attentat vom 20. Juli 1944 auf Hitler und die Rolle ihres Großvaters, des Widerstandskämpfers Fritz-Dietlof Graf von der Schulenburg. Am 20. Juli 1944 wagte eine Gruppe mutiger Offiziere das Undenkbare: Sie wollten Adolf Hitler töten, um das NS-Regime zu stürzen und den Krieg zu beenden. Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg trug die Bombe in einer Aktentasche direkt in Hitlers Lagebesprechung in der „Wolfsschanze“. Kurz vor der Explosion verließ er unter einem Vorwand den Raum. Um 12:42 Uhr detonierte die Bombe – vier Menschen starben, doch Hitler überlebte leicht verletzt. Währenddessen setzten die Verschwörer in Berlin den sogenannten Walküre-Plan in Gang: Sie wollten die Macht übernehmen, SS und Gestapo entmachten. Deutschland sollte vor dem Untergang bewahrt werden. Das Ziel war die Beendigung des Krieges und der Judenverfolgung sowie die Wiederherstellung von Recht und Freiheit.
Doch als bekannt wurde, dass Hitler noch lebte, brach der Plan zusammen. Stauffenberg und seine Mitstreiter wurden festgenommen und noch in derselben Nacht erschossen. Auch Fritz-Dietlof wurde am 10. August 1944 vom Volksgerichtshof in Berlin zum Tode verurteilt.
Die meisten kennen Claus Schenk Graf von Stauffenberg als das Gesicht des Attentats, doch Elisabeth Ruge machte deutlich, dass der Widerstand ein Netzwerk aus mutigen Menschen war – unter ihnen auch Fritz-Dietlof von der Schulenburg, ein Mann, der sich früh und entschlossen
gegen das NS-Regime stellte. Ruge erzählte nicht nur von Schulenburgs politischer Karriere – als Jurist, Regierungspräsident und schließlich Mitglied des Widerstands –, sondern auch von seiner inneren Wandlung.
Ursprünglich ein Unterstützer des Regimes, erkannte Schulenburg die moralische Katastrophe des Nationalsozialismus und wandte sich entschlossen davon ab. Er war einer der zentralen Architekten des geplanten Umsturzes: Sollte das Attentat auf Hitler gelingen, war er als
Innenminister einer neuen, freien Regierung vorgesehen. Trotz des Scheiterns des Attentats zeugen seine letzten Worte von tiefer Überzeugung: „Ich weiß, dass ich für die richtige Sache gekämpft habe. Ich bereue nichts.“ „Fritzi“, wie seine Enkelin ihn liebevoll nennt, war einer der Männer und Frauen, die flexibel und pragmatisch handelten. Er war einer der wichtigsten Drahtzieher im Hintergrund der Aktion. Dank seiner Kontakte verknüpfte er viele zivile Kreise und fungierte als wichtige Schlüsselfigur des Widerstands. Fritz-Dietlof war politischer Planer und Organisator des Umsturzversuchs; seine Rolle war wesentlich für die politische und organisatorische Vorbereitung des Staatsstreichs.
Elisabeth Ruge erzählte diese berührende und motivierende Geschichte nicht nur aus der Sicht von Fritz selbst, sondern auch aus der Sicht mutiger Frauen: seiner Schwester „Tisa“ und seiner Frau Charlotte. Durch diese verschiedenen Perspektiven nahm Elisabeth Ruge uns mit auf eine
Reise in eine Zeit voller Unrecht, in der ehrenvolle Menschen für Recht und Freiheit kämpften. Das Highlight der Vorlesung war die Vertragsunterzeichnung zwischen unserer Schule, dem Fridericianum, und der Stiftung 20. Juli 1944. Dank dieser Kooperation ist unsere Schule eine von
zehn Partnerschulen der Stiftung des 20. Juli 1944. Dies ist für uns eine große Ehre, Anerkennung und zugleich Verpflichtung: Die Schule wird aktiver Teil einer lebendigen Erinnerungskultur und engagiert sich nachhaltig dafür, die Werte des Widerstands – Mut, Verantwortung, Freiheit – an nachfolgende Generationen weiterzugeben.Dass Elisabeth Ruge diese persönlichen Eindrücke mit uns geteilt hat, hat alle Anwesenden sehr bereichert und inspiriert. Ein besonderer Dank gilt vor allem unserer Geschichtslehrerin Frau Kindt, die diese Lesung möglich gemacht hat und uns die Gelegenheit gab, Geschichte lebendig zu erleben.
Schulenburgs Beispiel ist nicht nur ein Fall für das Geschichtsbuch, sondern auch eine Mahnung an uns alle, dass Zivilcourage nötig ist – besonders gegen Unrecht, Diskriminierung und Gleichgültigkeit. Diese inspirierenden Geschichten von mutigen Männern und Frauen zeigen, wie
wichtig Mut ist, denn: „Wo Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht.“
Ein Bericht von Gerda Eising




