Im Ausland lernen, zu Hause arbeiten
SCHWERIN Dass sie Freizeit- und Tourismusmanagement studiert, kommt der 21-jährigen Schwerinerin Christin Lemcke nicht so leicht über die Lippen. Denn nicht nur auf ihrem Bachelor-Abschluss wird letztlich „Leisure and Tourism Management“ stehen, auch an der Fachhochschule Stralsund ist nur die Rede von der englischsprachigen Bezeichnung. „Gut 80 Prozent der Ausbildung ist auf Englisch“, berichtet die Schwerinerin. Ihr Schulwissen aus dem Herder-Gymnasium und später dem Fridericianum hat sie dafür während eines knapp einjährigen Au-pair-Aufenthaltes in der Nähe von Windsor in Großbritannien aufgebessert. Denn dass Christin Lemcke Sprachen brauchen wird in ihrem künftigen Beruf, war ihr schon früh klar. Spätestens nach ihrem Praktikum im Schweriner Inter- City-Hotel in der 10. Klasse wusste sie, dass ihre Zukunft in der Tourismusbranche liegt. Bei einer Ausbildungsbörse in der Sport- und Kongresshalle hatte sie dann vom Studiengang in Stralsund erfahren, sich weiter informiert und war letztlich zum Tag der offenen Tür in die Fachhochschule an die Ostsee gefahren. „Ich kann nur jedem Jugendlichen empfehlen, solche Börsen zu besuchen. Dort gibt es gebündelt alles, was man wissen will und muss“, sagt die Studentin. Stralsund gefiel ihr ohnehin – „das ist nicht so groß und mit Schwerin vergleichbar“, sagt die 21-Jährige. Zu den Studienvoraussetzungen für die staatliche Bildungseinrichtung gehören mindestens zehn Monate Aufenthalt in einem englischsprachigen Land und ein touristisch ausgerichtetes Vorpraktikum. Nachdem Christin Lemcke in England ein sechsjähriges Zwillingspaar betreut hatte, ging sie deshalb im Ferienpark Seehof am Schweriner See arbeiten. Dort hat es der passionierten Seglerin – sie fuhr für den Schweriner Seglerverein im Optimist, Teeny und später in der 420er-Klasse Regatten – so gut gefallen, dass sie auch in ihren Semesterferien dort weitere praktische Erfahrungen sammelte. Von den acht Semestern auf ihrem Weg zum Studienabschluss hat die Schwerinerin nun bald die Hälfte absolviert. Noch bis zum Sommer studiert sie im südfranzösischen Montpellier. Denn ein bis zwei Auslandssemester gehören wie auch weitere Praktika zum Studienprogramm. Partneruniversitäten hat Stralsund dafür in Dänemark, Spanien, Zypern – und eben in Frankreich. Christin Lemcke absolviert dort ein ganzes Jahr. So wird ihr Bachelor als deutschfranzösischer Doppelabschluss in beiden Ländern anerkannt. Das sich anschließende Praxissemester möchte die Schwerinerin gern wieder in der Heimat absolvieren. „Am liebsten bei Aida in Rostock“, sagt die junge Frau. Die Kombination Tourismus, Wasser und Mecklenburg – das gefällt der Seglerin besonders. Nach Englisch und Französisch übt sich Christin Lemcke gegenwärtig in Schwedisch – auch mit Blick auf einen künftigen Arbeitsplatz. Sie wählte an der FH Stralsund Schwedisch aber auch als ihre dritte Fremdsprache, damit sie „irgendwann einmal“ ihren Lieblings- Autor Henning Mankell im Original lesen kann. Ablenkung bekommt sie dabei ein wenig bei ihrer Gastfamilie in Montpellier: Die zweite dort wohnende Studentin kommt aus Kolumbien, so dass Christin Lemcke nun auch ein wenig Spanisch lernen darf. „Ich erzähle in Frankreich viel über Schwerin, denn meine Heimatstadt ist bei vielen meiner Kommilitonen nicht so bekannt“, berichtet die 21-Jährige. „Aber alle, die mich hier besucht haben, sind völlig begeistert von Schwerin.“ So wie sie selbst. „Mein Herz schlägt für MV. Nach dem Studium möchte ich gerne hier in der Region arbeiten.“ Daher liegt es nahe, dass sie sich auf dem Weg dorthin um einen Praktikumsplatz bei Aida bewirbt. Vielleicht wird daraus ja später ein Arbeitsplatz… Um ihren Studienwunsch zu realisieren, hatte Christin Lemcke natürlich auch Geldquellen auftun müssen. Über die Konrad-Adenauer-Stiftung konnte sie sich nach einem langen Auswahlverfahren ein Stipendium sichern. Zudem hat sie nebenbei als studentische Hilfskraft ein paar Euro dazu verdient. Über das EU-Programm Erasmus gibt es jetzt in Frankreich außerdem eine zusätzliche Förderung. Dort zahlt der Staat im Übrigen auch den ausländischen Studenten Wohngeld. So kommt sie nicht nur über die Runden, sondern konnte sich jetzt zum Jahreswechsel sogar erstmals einen Heimatbesuch leisten – sogar mit dem Flieger. Am 7. Januar geht es für Christin Lemcke dann zurück nach Südfrankreich.