Kinder im Drogenrausch
SVZ vom 23-12-2016, Christian Koepke
Zahl der Betäubungsmitteldelikte bei 12- bis 18-Jährgen hat sich verdoppelt / Polizei appelliert an Eltern
SCHWERIN Er habe mit dem Rauchen aufgehört, beteuert der Junge, als er zur Rede gestellt wird. „Seit Längerem schon“, sagt der Zehnjährige. „Seit Längerem schon“, wiederholt Heidi Liebmann. Die Präventionsbeamtin der Schweriner Polizeiinspektion ist fassungslos. „Ein Zehnjähriger.“ Drogen werden immer mehr zum Problem an Schweriner Schulen. „Mehrfach bereits sind wir in diesem Jahr an Grundschulen in der Stadt gewesen, weil es Stress mit rauchenden Schülern gab“, berichtet Liebmann. Es werde mit den Glimmstängeln geschachert, Mitschüler würden erpresst. Was an den Grundschulen die Zigarette sei, seien an den weiterführenden Schulen der Joint und später Speed, sagt Liebmann. Marihuana zu rauchen, werde von vielen Jugendlichen als völlig normal angesehen. Sogar schon Fünftklässler rauchten vor der Schule Zigaretten, denen „Kräuter“ beigemischt seien, schildert die Präventionsbeamtin. Tatsächlich sind die Zahlen alarmierend: Hatte die Polizei im Schuljahr 2014/15 noch 45 Anzeigen wegen eines Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz gegen 12- bis 18-Jährige aufgenommen, waren es im Schuljahr 2015/16 bereits 82. In Hauseingängen und an Haltestellen im Umfeld der Schulen würden Drogen konsumiert, erklärt Liebmann. Ein beliebter Treffpunkt sei der Bolzplatz hinter dem Fridericianum. Die Polizei kontrolliere regelmäßig die Schlupfwinkel der jungen Leute, lasse sich auch in Schulen von verdächtigen Kindern und Jugendlichen die Taschen zeigen, so die Präventionsbeamtin. Liebmann sieht insbesondere die Erziehungsberechtigten in der Pflicht. Viele Eltern müssten ein wachsameres Auge auf ihre Kinder haben, ihnen mehr Halt und Orientierung geben. Unterstützung fänden betroffene Mütter und Väter etwa beim Hausarzt, bei der Suchtberatung und eben auch bei den Präventionsbeamten der Polizeiinspektion. In der Veranstaltungsreihe „World Café“ will die Polizei im kommenden Jahr aber auch noch mehr Lehrer für das Drogenproblem an Schulen sensibilisieren.