29. Dezember 2016

Kinder im Drogenrausch

SVZ vom 23-12-2016, Christian Koepke

Zahl der Betäubungsmitteldelikte bei 12- bis 18-Jährgen hat sich verdoppelt / Polizei appelliert an Eltern

SCHWERIN Er habe mit  dem Rauchen aufgehört, beteuert  der Junge, als er zur  Rede gestellt wird. „Seit  Längerem schon“, sagt der  Zehnjährige. „Seit Längerem  schon“, wiederholt Heidi  Liebmann. Die Präventionsbeamtin  der Schweriner Polizeiinspektion  ist fassungslos.  „Ein Zehnjähriger.“  Drogen werden immer  mehr zum Problem an  Schweriner Schulen. „Mehrfach  bereits sind wir in  diesem Jahr an Grundschulen  in der Stadt gewesen,  weil es Stress mit rauchenden  Schülern gab“, berichtet  Liebmann. Es werde mit den  Glimmstängeln geschachert,  Mitschüler würden erpresst.  Was an den Grundschulen  die Zigarette sei, seien an  den weiterführenden Schulen  der Joint und später  Speed, sagt Liebmann. Marihuana  zu rauchen, werde  von vielen Jugendlichen als  völlig normal angesehen.  Sogar schon Fünftklässler  rauchten vor der Schule Zigaretten,  denen „Kräuter“ beigemischt  seien, schildert die  Präventionsbeamtin.  Tatsächlich sind die Zahlen  alarmierend: Hatte die Polizei  im Schuljahr 2014/15  noch 45 Anzeigen wegen  eines Verstoßes gegen das  Betäubungsmittelgesetz gegen  12- bis 18-Jährige aufgenommen,  waren es im Schuljahr  2015/16 bereits 82.  In Hauseingängen und an  Haltestellen im Umfeld der  Schulen würden Drogen konsumiert,  erklärt Liebmann.  Ein beliebter Treffpunkt sei  der Bolzplatz hinter dem  Fridericianum. Die Polizei  kontrolliere regelmäßig die  Schlupfwinkel der jungen  Leute, lasse sich auch in  Schulen von verdächtigen  Kindern und Jugendlichen  die Taschen zeigen, so die  Präventionsbeamtin.  Liebmann sieht insbesondere  die Erziehungsberechtigten  in der Pflicht. Viele  Eltern müssten ein wachsameres  Auge auf ihre Kinder  haben, ihnen mehr Halt und  Orientierung geben. Unterstützung  fänden betroffene  Mütter und Väter etwa beim  Hausarzt, bei der Suchtberatung  und eben auch bei den  Präventionsbeamten der Polizeiinspektion.  In der Veranstaltungsreihe  „World Café“ will die Polizei  im kommenden Jahr aber  auch noch mehr Lehrer für  das Drogenproblem an Schulen  sensibilisieren.

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