Alkohol an der Schule – ganz normal?
Schüler und Eltern diskutieren über Probleme an den Schulen der Stadt
SCHWERIN Die Berichterstattung der SVZ über Gewalt und Alkoholmissbrauch an der Bertolt-Brecht-Gesamtschule hat zu einer regen Diskussion geführt. Der Schülerrat der Einrichtung schreibt: „Unbestritten ist, dass es einen Brandfall nach der Schule gab sowie einen alkoholisierten Schüler. Der Fehler liegt hierbei jedoch nicht bei der Schule oder den Sozialarbeitern, sondern bei dem Schüler selbst. Des Weiteren wurde keine Achtklässlerin zusammengeschlagen. Eine weiterführende Schule ist eine Instanz, die erstrangig für die Bildung und ein geordnetes Miteinander verantwortlich ist. Erziehung ist und bleibt vorrangig Aufgabe der Eltern. Wir als Schülerrat erwarten künftig eine objektive und rein sachbezogene Recherche und Darstellung in den Medien.“ Dazu gehört allerdings auch, dass die Polizei bestätigt hat, dass eine Achtklässlerin zusammen geschlagen wurde und deshalb Anzeige wegen Körperverletzung erstattet hat. Dass die Brechtschule jedoch kein Einzelfall ist, insbesondere wenn es um Alkoholmissbrauch geht, zeigen Zuschriften im Internet. Johanna Peters stimmt dem Schülerrat in Sachen Verantwortung zu: „Es wohnen überall in Schwerin solche Jugendlichen. Das hat nichts mit dem Dreesch zu tun. An anderen Schulen geht es genauso ab. Und woran liegt das? An der Erziehung der Eltern und nichts anderem.“ Dieser Meinung ist auch Thomas Lichtenstein, der in einem Kommentar aber auch keine Lösung parat hat: „Was erwarten wir überhaupt? Die Schule kann doch nicht das ausbügeln oder beheben, was im täglichen Leben so ,versaut‘ wird! Die Eltern sollten in solchen Fällen direkter ,bemüht‘ werden und zwar nicht durch die sowieso teilweise überforderten Lehrer, sondern beispielsweise durch den Arbeitgeber oder das Sozialamt. Tun wir also nicht so, als ob in solchen Fällen die Schule auch nur eine Mitschuld hat. Sorgen wir lieber dafür, dass die eigentlich verantwortlichen Eltern ihre Rolle bewusst wahrnehmen können. Wenn ich wüsste wie, käme ich wahrscheinlich für so etwas wie den Nobelpreis in Frage…“ Und Sindy Timm, deren Sohn auch die Brechtschule besucht, schreibt auf Facebook: „Es kann nicht sein, dass immer und überall über den Dreesch gehetzt wird. Es ist auch nicht anders in Lankow und in einigen Ecken der Altstadt.“ Sandra Junius meint: „Als wenn es so was nur da gäbe… An anderen Schulen sind die Schüler nur so schlau und lassen sich nicht erwischen bzw. bleiben gleich zu Hause. Mal im Ernst: Alkohol ist kein Problem an dieser Schule – Alkohol ist ein Problem dieser gesamten Gesellschaft.“ Für Karolin Mrozek aber offenbar kein so großes: „Dass Schüler betrunken kommen, ist doch nichts Besonderes mehr. Wer ist mal nicht nach ’ner Party zur Schule und saß da ziemlich betrunken und fertig. Also ehrlich, Leute…“ Dabei scheint Alkohol an der Schule so gar kein neues Problem zu sein. „Mein Sohn hat mir auch erzählt, dass auf seiner Regionalschule die Großen der Klassen acht bis zehn in der Hofpause Bier trinken und rauchen. Gab es zu meiner Zeit auch schon – da wusste man aber auch, aus welchen ,Stall‘ sie kamen. Reine Erziehungssache. Ich frage mich aber auch, warum die Pausenaufsicht so etwas nicht sieht.“ Gert Steinhagen
Anja Voß, ehemalige Schülerin, Becherschule:
„Alkohol gab es an meiner Schule vielleicht mal auf Klassenfahrten. Das wurde aber strengstens kontrolliert. Ich kann nicht sagen, ob die Situation an der Brechtschule ein Extremfall ist.“
Moritz Bongardt, ehemaliger Schüler, Fridericianum:
„Wir haben auf Studienfahrten in der Oberstufe auch mal etwas getrunken. Wer etwas anderes sagt, ist nicht ehrlich. Wenn es aber zu viel wurde, wurden die Schüler auch sanktioniert.“
Mandy Jantzen, ehemalige Schülerin, Wirtschaftsgymnasium:
„Ich war an einer Schule mit kleinen Klassen. Wir waren nur 15 Schüler. Dadurch wurde viel mehr aufeinander geachtet. Wenn es Probleme gab, wurde darüber gesprochen.“
Theresa Kaiser, Schülerin, Berufschule Waren:
„Bei uns gab es auch Rangeleien. Es wurde auch mal jemand angepöbelt – wie das unter Schülern üblich ist. Dass jemand alkoholisiert zur Schule kam, hat es aber nicht gegeben.“