13. Juni 2023

Lehrersprüche müssen rein

„Die Sonne“ vom Fridericianum in Schwerin ist bei Wettbewerben erfolgreich

Martina Schwenk

Hofpause: Zeit, um die Brotdosen zu zücken und ein wenig auf dem Schulhof zu entspannen vor der nächsten Unterrichtsstunde. Doch ein paar Schüler des Gymnasiums Fridericianum in Schwerin zieht es stattdessen in einen Raum nahe der Schulbibliothek. Sie alle machen bei einem besonderen Projekt mit – bei der Schülerzeitung „Die Sonne“. Derzeit arbeiten hier 14 „Reporter“, alle Klassenstufen sind vertreten. Den Hut auf hat Schulsozialarbeiterin Karina Stagge von der Sozial- Diakonischen Arbeit – Evangelische Jugend. Die Schüler treffen sich zweimal die Woche in der Hofpause, aufgeteilt in zwei Gruppen, um ins Gespräch zu kommen, Themen und Druckschluss zu besprechen. Etwa drei Ausgaben im Jahr gibt es. An Texten und Layout wird in der Redaktion ganz modern gearbeitet – im Homeoffice. Denn die Zeitung ist wie eine AG, die Schüler arbeiten in ihrer Freizeit daran, erklärt Karina Stagge. Für ihre Arbeit wurden sie bereits mehrfach ausgezeichnet. So holten sie sich in diesem Jahr den ersten Preis beim 9. Schülerzeitungswettbewerb der Provinzial Nord für MV. Beim landesweiten Schülerzeitungswettbewerb wiederum wurden sie bei der Preisverleihung in Rostock in den Bereichen Nachhaltigkeit und Handwerk ausgezeichnet, letzteres für einen Artikel über den Ausbildungsberuf Raumausstatter. Etwa drei Ausgaben im Jahr gibt es. „Die Sonne“ wird seit 2019 auf dem Schulhof verkauft – oder besser gesagt, seitdem gibt es sie wieder. Etwa zwei Jahre war Pause, dann wurde das Projekt wiederbelebt. Judith ist seit dem Neuanfang dabei, ist inzwischen in der Abi-Klasse. Ob Journalismus für sie später eine Berufsmöglichkeit wäre? Wohl eher nicht, so die Schülerin, wobei sie durchaus darüber nachgedacht habe. Fine dagegen, ein paar Klassen drunter, hält sich noch alle Optionen für ihre Berufswahl offen, auch den Journalismus. Das Layout liegt ebenfalls in der Hand der Schüler. Zuletzt war Judith auch Teil dieses Teams, doch mit den Vorbereitungen zum Abi musste die Aufgabe an die Nächsten übergeben werden. So macht etwa Pauline, nachdem sie bereits angelernt wurde, bald ihre erste Ausgabe. „Man braucht Ideen, aber rein technisch ist es nicht schwer“, sagt sie. Und wie kommen die Themen zustande? Die basieren vor allem auf persönlichen Neigungen, erklärt Karina Stagge. So hat Nahla, die jüngste im Bunde, sich das Thema Geflügelzucht ausgesucht. „Das ist mein Hobby“, sagt sie. Fine will auf jeden Fall noch über Stolpersteine schreiben. „In meiner Straße gibt es einen.“ Was sie daran unter anderem fasziniere: „Man muss sich verbeugen, um es lesen zu können. Das finde ich eine schöne Art der Erinnerung.“ Buchrezensionen oder Filmkritiken sind ebenfalls immer wieder dabei. Eine Muss-Kathegorie: Lehrersprüche. „Da schauen auch die Lehrer gerne mal rein, ob sie drin stehen“, berichtet Karina Stagge. Manchmal gibt es zudem ein großes Überthema, wie Jahreszeiten. Und der ein oder andere Vorschlag kommt auch mal von den Lehrern, etwa vom Schulleiter selbst. Ein Vorschlag, den Schulleiter Dr. Uwe Dietsche mit eingebracht hat: auf Recyc ling-Papier drucken. Die kommt bei den Schülern gut an. Allerdings ist es auch eine Frage der Kosten. So wird die Zeitung auch in Schwarz-Weiß gedruckt, um Geld zu sparen. Es ist an sich ein Minusgeschäft mit dem Verkauf, sagt Stagge. Alles, inklusive der gewonnenen Preisgelder, fließt direkt in die Unkosten. „Reich werden wir hier nicht.“ Was treibt die Schüler an? Vor allem die Freude an der Arbeit. Es macht Spaß, Neugelerntes, eigenes Wissen oder andere spannende Themen anderen zu zeigen, meint Fine. Oder den Mitschülern etwa AGs näher zu bringen und dann zu sehen, dass mehr daran teilnehmen, so Henrike.

Die Kommentare sind geschlossen.

zurück