26. Februar 2024

Mathe-Asse unter sich

 

Elisa Seibig aus der 8. Klasse vom Sportgymnasium Schwerin freut
sich über den Preis, den ihr der Rektor der Hochschule Wismar,
Bodo Wiegand-Hoffmeister, überreicht. Foto: Anja Bölck

Diese Schüler gehören zu den Landessiegern der Mathematik-
Olympiade 2024 in MV.

Ingrid Jagnow, seit Jahren der
„gute Geist“ der Veranstaltung

Juliane Hennecke vom Goethe-
Gymnasium Schwerin

Schweriner Volkszeitung, 26.02.2024, Anja Bölck

Pssst! Leise bitte! Ingrid Jagnow legt den Finger auf die Lippen, als ihr draußen auf dem Flur ein paar tuschelnde Schüler entgegenkommen. Sie trägt einen Stapel Klausuren in der Hand und geht energischen Schrittes zur Treppe. Hier oben unterm Dach des Goethe-Gymnasiums in Schwerin läuft an diesem Sonnabend die 63. Landesrunde der Mathematik-Olympiade. Und auch am Vortag schon haben die Größeren dort gebüffelt. Eine Etage tiefer sitzenüberall in den Klassenräumen

verteilt Mathelehrer und Mathelehrerinnen, die darauf warten, dass Ingrid Jagnow ihnen die „heiße Ware“ bringt. Kaum liegen die Klausuren auf den Tischen, fangen sie an zu korrigieren. Niemand von diesen Lehrern kennt die Aufgaben vorher. Jetzt bekommen sie zwar die Lösungen, müssen aber selbst ihr Köpfchen anstrengen, um Lösungswege der Schüler nachzuvollziehen. Denn dafür sollen sie schließlich Punkte vergeben. Sind die Lehrer freiwillig hier? „Manche bekommen von ihrer Schule aufs Auge gedrückt, bei der Olympiade dabei zu sein. Ganz viele wollen aber von sich aus mithelfen“, weiß Ingrid Jagnow, die als Landesbeauftragte für Mathematik-Olympiaden den Hut aufhat und selbst am Goethe-Gymnasium unterrichtet. Zwei der Lehrer, die heute gern hier sind, trinken gerade ihren letzten Schluck Kaffee aus. „Ich habe es als Kind auch Landesfinale der Mathe-Olympiade MV: Ein Blick hinter die Kulissen am Goethe-Gymnasium in Schwerin geliebt, bei der Mathe-Olympiade dabei zu sein“, sagt Philipp Rohde vom Ernst-Barlach-Gymnasium in Schönberg. „Es ist doch schön, wenn so etwas weiterlebt.“ Christoph Radder vom Gerhard-Hauptmann-Gymnasium in Wismar nickt. Auch er ist heute gern hier, zumal auch von ihm Schüler mitmachen. Christoph Radder unterrichtet bis zur 12. Klasse. „Dennoch“, so gesteht er, „würde ich mich nicht trauen, heute die Klausuren der Elft und Zwölftklässler zu kontrollieren. Die Aufgaben, diesie bei der Olympiade bekommen, sind nun mal kein normaler Unterrichtsstoff. Die haben es in sich. “Derweil eilt Cheforganisatorin Ingrid Jagnow schon wieder über den Flur. Sie will schauen, wie es mit dem Mittagessen läuft. In der Mensa können sich die Mädchen und Jungen stärken. „Hallo Alex“, ruft sie. „Hallo!“ Alexander Kreipe ist schon durch mit der Klausur. Er guckt zufrieden. „Bei einer Aufgabe hab ich einen Fehler“, sagt er. „Aber ansonsten hab ich ein gutes Gefühl. “Mal schauen, ob es wieder für die Bundesolympiade reicht. Alexander vom Fridericianum in Schwerin hat es schon mal bis dorthin geschafft. Und wenn nicht –schön sei es wieder hier unter all den Mathe-Freaks, findet er. Seit der 3. Klasse ist er beim Landesfinale dabei. Jetzt ist er in der 10. Klasse. Bis zur Siegerehrung dauert es noch. Gleich läuft ein Schachturnier, da will er mitmachen. Er hätte auch ins Flipper-Museum mitgehen können, das sich gleich in der Nähe befindet. Es gibt solche Angebote auf der Mathe-Olympiade, weil nicht alle Schüler vor der großen Siegerehrung in der Aula zwischendurch nach Hause gehen können. Viele kommen von außerhalb. Etwa Anita Kharchenko. Sie ist aus Gadebusch. Dorthin ist sie vor zwei Jahren mit ihrer Familie aus der Ukraine geflüchtet. Elisa Seibig aus der 8. Klasse vom Sportgymnasium Schwerin freut sich über den Preis, den ihr der Rektor der Hochschule Wismar, Bodo Wiegand-Hoffmeister, überreicht. Foto: Anja Bölck Anita besucht die Heinrich-Heine-Schule. Alle sind dort total gespannt. Immerhin ist Anita seit vielen Jahren das erste Mädchen, das bei der Landes-Matheolympiade dabei ist. Anita fährt gerade ein bisschen runter. Sie hat sich ein Buch geschnappt und liest. Neben ihr spielen zwei Schüler Mau-Mau. Später entdecken wir Anita auch beim Schachturnier wieder. Das Goethe-Gymnasium ist nicht der einzige Ort, an dem die Mathe-Olympiade läuft. An drei Standorten stellen sich insgesamt 191 Schüler und Schülerinnen der Klassenstufen 3 bis 12 den Klausuren – in Schwerin, am Kollwitz-Gymnasium in Rostock und am Humboldt-Gymnasium in Greifswald. Eine organisatorische Herausforderung. Etwa 100 Lehrkräfte sind gefragt. Freitag nach dem Unterricht sind sie zur Mathe-Olympiade geeilt und am Sonnabend verbringen sie den ganzen Tag mit Korrigieren. Ausgleichstage oder Geld bekommen sie nicht dafür. Als Lohn betrachten einige Lehrer und Lehrerinnen den Moment der Siegerehrung. Und der ist jetzt gekommen. In die Aula des Goethe-Gymnasiums strömen sie alle –Schüler, Eltern, Geschwister, Lehrer. Für die besten Schülerinnen und Schüler der Klassen 8 bis 12 winkt eine Fahrkarte zur Bundesrunde im Juni nach Flensburg. „Doch wer dazugehört, werden wir erst in den nächsten Tagen wissen“, sagt Cheforganisatorin Ingrid Jagnow. Sie muss nun nicht mehr durch die Flure eilen, sondern darf die Preisträger verkünden, die heute am Goethe-Gymnasium die meisten Punkte erreicht haben. Guck an: Alexander Kreipe vom Fridericianum in Schwerin hat von der Klassenstufe 10 die meisten Punkte erreicht. Und auch die Ukrainerin Anita Kharchenko nimmt strahlend einen Preis für die Klassenstufe 6 entgegen. Und wer bekommt in diesem Jahr den Preis vom Rektor der Hochschule Wismar für den besten Teilnehmer der oberen Klassenstufen? Das ist Elisa Seibig aus der 8. Klasse vom Sportgymnasium Schwerin.

Die Kommentare sind geschlossen.

zurück