13. September 2023

Migräne trifft auch junge Leute

Maike Trumpp SVZ 13. September 2023

 

Dem achtjährigen Valentin geht es schlecht, nach dem er die ersten 30 Minuten Onlineunterricht hinter sich hat. Mit steigender Übelkeit ist für ihn der Unterricht an diesem Tag beendet, den restlichen Tag muss er sich im Bett davon erholen. Seine Eltern machen mit ihm unter anderem Augentests, überprüfen sein Ess- und Trinkverhalten, und ließen seine Gehirnströme messen. Es stellt sich raus: Valentin leidet an Migräne.

Einer seiner Trigger ist der Computer. Nach langem Suchen findet man aber noch mehr. Stress, familiäre Anlagen und seine Musikinstrumente, Querflöte und Saxophon, führen immer wieder zu Migräneanfällen.

Dr. Uwe Dietsche, Schulleiter am Fridericianum Schwerin, ist das Thema Kopfschmerz und Migräne immerwährend seiner Lehrertätigkeit begegnet. Um mehr darüber zu erfahren, hat er die Initiative ergriffen und sich beim Neurologischen Klinikum der Universitätsklinik Greifswald gemeldet.

Die Bereitschaft vor Ort war groß und so entstand ein Video mit Tipps für den Alltag. Als Lehrer sehe er sich zum Teil selber mit als Problemverursacher für Kopfschmerzen, da Anforderungen in Schulen mit ein Stressfaktor sein können, so Dietsche. Für ihn sei klar, dass jeder Schüler individuell auf möglichen Druck reagiere, mit unterschiedlichen körperlichen Reaktionen. Oberarzt Robert Fleischmann klärt zusammen mit Prof. Uwe Reuter in dem Video darüber auf, was am besten gegen Kopfschmerzen helfen kann. Dabei spielen altbekannte Themen wie aus[1]gewogene Ernährung oder Ausdauersport eine wichtige Rolle.

Die „Maßnahmen jenseits von Medikamenten sind durchaus sehr wirksam und sollten bevorzugt eingesetzt werden“, so Dr. Fleischmann. Aber selbst wenn man alles richtigmache, könne es zu Migräne oder Kopfschmerzen kommen, da diese anlagebedingt seien. Sollten die Migräneanfälle bei Kindern und Jugendlichen den Alltag beeinträchtigen, sollte immer ein Kinderarzt oder Neurologe hinzugezogen werden, so Fleischmann. Bei Kindern und Jugendlichen seien Placebo-Medikamente ähnlich wirksam wie Medikamente. Bei Erwachsenen sei dies aber nicht der Fall, wie Dr. Fleischmann klarstellt. Neue Forschungsergebnisse geben Hoffnung, dass in einigen Jahren Migräne schneller auch beim Hausarzt erkannt werden kann, so Fleischmann. Der Vater der Zwölfjährigen Mia ist sich unsicher. Früher habe man Kopfschmerzen auch gerne mal als Ausrede genommen, um nicht in die Schule zu müssen. Wieso sollte das nun bei seinem Kind nicht ähnlich sein? Gleichzeitig zeigen sich Schuldgefühle: Was wäre, wenn sein Kind die ganze Zeit gelitten hat und er hat es nicht bemerkt? Dr. Fleischmann hat eine mögliche Lösung für das Problem: Beobachten und ein Schmerztagebuch führen las[1]sen. Sollte das Schmerztagebuch durch Eigeninitiative des Kindes regelmäßig ausgefüllt sein, sollte man einen Arzt konsultieren.

Migräne betrifft einen Großteil der Gesellschaft Foto: Pixabay

Tipps

  • regelmäßige Mahlzeiten einnehmen
  • ausreichend Trinken, vor allem Wasser, kein Energy- oder kohlenhydratlastiges Getränk
  • Pausen, zur Erholung des Gehirns
  • Schlaf: Genügend und regelmäßige Schlafenszeiten führen zur Entspannung
  • Achtsamkeitsübungen, wie Imaginationsübungen oder progressive Muskelentspannungsübungen
  • Musizieren kann dem Gehirn helfen abzuschalten und zu entspannen
  • Ausdauersport und regelmäßige Bewegung
  • Mit Dingen beschäftigen, die einem Freude machen
  • Handynutzung individuell einschränken, vor dem Schlafen gehen das Handy nicht mehr nutzen.

 

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