Ministerin verspricht Besserung
Marlena Petersen, 08.11.23
Schweriner Schüler machten gestern auf Folgen des Lehrermangels aufmerksam – und fanden Gehör. Auf die gewünschten 800 Teilnehmer haben es die Schüler der Bertolt-Brecht-Schule, die die Kundgebung vor dem Schloss in Schwerin organisiert haben, zwar nicht geschafft. Zufrieden sind sie trotzdem. Schließlich haben sie ihren ganzen Mut zusammengenommen und ihre Forderungen auf den Punkt gebracht: „Wir brauchen Lehrer, jetzt“, riefen sie durchs Megafon. Und mit dieser Forderung standen sie nicht allein. An der Kundgebung am Dienstag um 13 Uhr hatten sich unter anderem Schüler und Lehrer der Regionalen Schulen „Werner von Siemens“, „Erich Weinert“ und Weststadt Campus eingefunden. Rund 300 Teilnehmer zählte die Polizei schließlich an der Siegessäule. „Wir hatten Erfolg“, sagt Lena Celik, die in die 10. Klasse der IGS „Bertolt Brecht“ geht und Schulsprecherin ist. Denn die Worte der Schülerwurden nicht nur von den Teilnehmern gehört, sondern gingen auch direkt an die Adresse, von der Lösungen gefordert werden: Bildungsministerin Simone Oldenburg (Die Linke). Die drei Schüler Lena Celik, Leonie Therese Findeisen und Jeremy Jason Belling haben ihr Ziel der Kundgebung erreicht, denn sie wurden zum Gespräch ins Bildungsministerium eingeladen. Die Schüler fordern umgehend Lösungen aus der Politik. „Wir brauchen sofortige Maßnahmen und langfristige Strategien“, sagt Lena Celik selbstsicher ins Mikrofon. Mehrere Jugendliche der Bertolt-Brecht-Schule hatten erst kürzlich erzählt, dass sie einen Ausfall von rund fünf Stunden pro Woche hätten. Zudem müssten die Oberstufen für den Physikunterricht mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in der Pausenzeit zum Fridericianum fahren. „Es geht nächstes Jahr auf die Prüfungen zu“, sagte Leonie Therese Findeisen aus der 11. Klasse der Bertolt-Brecht-Schule kürzlich mit Sorge. Mitschülerin Leni berichtet von vielen Ausfällen in Biologie, Englisch und Philosophie. „Nächstes Jahr haben wir sogar keinen Philosophieunterricht mehr“, sagt sie. Mit Plakaten mit den Aufschriften „Wir brauchen Bildung“, „Wir retten unsere Zukunft“ und „Lehrer her“ untermauerten sie ihre Forderungen gegenüber dem Bildungsministerium. „Wir haben ein Recht auf Bildung“, sagt Lena Celik. „Lasst uns nicht lockerlassen, bis unsere Forderungen erhört werden“, so ein Mitschüler. Und ihre Forderungen wurden von Bildungsministerin Oldenburg erhört. „Ihr habt recht“, sagt sie an der Siegessäule zu den Schülern. „Ihr habt recht, Bildung ist euer Recht.“ Sie versprach den Schülern „umgehend Besserung“. Wie problematisch die Situation an der Schule sei, habe sie allerdings nicht gewusst und aus der Zeitung erfahren. „Alle Schulen, die Sorgen haben, werden von uns eng begleitet“, sagt sie. Es würde alles Mögliche unternommen, um mehr Lehrer einzustellen. Die Ministerin sagte aber auch: „Den Lehrermangel bekommen wir nicht weg, das ist ein Problem in der gesamten Bundesrepublik.“ Dennoch will die Bildungsministerin nun nach Lösungen suchen und diese mit der Schulleitung und den Schülern besprechen. Erste Optimierungen in der Planung der Unterrichtsstunden seien bereits besprochen worden. „Ohne Neueinstellungen vorzunehmen“, so Oldenburg. Für Lena Celik, Leonie Therese Findeisen und Jeremy Jason Belling war das in jedem Fall ein aufregender Tag. Auch, weil er damit zu Ende ging, dass sie zum ersten Mal im Bildungsministerium waren.