Von Zuhause aus widmet sich der Schweriner Hannes Ertl seinem Geschäft. Obwohl er noch minderjährig ist, ist er schon selbstständig. FOTO: THORBEN OBERHAG
8. Februar 2021

Mit 15 Jahren in die Selbstständigkeit

Nach der Schule entspannt Hannes Ertl nicht etwa. Bis in die Nacht arbeitet er an seiner eigenen Firma Fahrschul Boost.

Zu Zeiten des Distanzunterrichts klappen wohl viele Jugendliche nach dem Erledigen der Schulaufgaben ihren Laptop zu und genießen ihre Freizeit. Ein paar Runden mit den Freunden an der Konsole zocken oder einfach die Musik aufdrehen und abschalten. Für Hannes Ertl ist das alles anders. Wenn der 17-Jährige mit den Schulaufgaben fertig ist, die ihm seine Lehrer des Gymnasiums Fridericianum stellen, beginnt für ihn erst die richtige Arbeit. Zwar wird der Schweriner erst im September volljährig, selbstständig ist er aber jetzt schon. „Ich war schon immer ein neugieriges Kind und habe viele Fragen gestellt“, sagt Ertl über sich selbst. Wenig verwunderlich also, dass es ihn in seinen jüngeren Jahren insbesondere Experimentierkästen angetan hatten. Vor vier Jahren reifte dann die Idee: ein Online-Versandhandel mit Urzeitkrebsen zum Selbstzüchten. Während andere Kinder mit 13 noch täglich auf dem Bolzplatz gegen den Ball treten oder die erste Liebe finden, hatte Ertl sich als Ziel gesetzt, ein Einzelunternehmen zu gründen. „Die Krebse habe ich im Keller meiner Eltern gezüchtet und die restlichen Komponenten wie Plastikbecken oder Lampen habe ich aus China importiert“, so der inzwischen 17-Jährige.

Bevor das Unternehmen aber an den Start gehen konnte, musste der angehende Jungunternehmer eine achtmonatige Odyssee über sich ergehen lassen. „Ich musste ein Bankkonto eröffnen und habe dazu einen 30-seitigen Businessplan beim Familiengericht einreichen müssen. In einem Gespräch hat eine Rechtspflegerin außerdem geschaut, ob sie mir diese Aufgabe zutraut und auch in meiner Schule wurde nachgefragt, ob meine schulischen Leistungen ausreichen.“ Auszusetzen gab es bei den Überprüfungen scheinbar nichts, so wurde im April 2019 die Erlaubnis für die Gründung erteilt – zu diesem Zeitpunkt war der Gymnasiast erst 15 Jahre alt.

Seine Mitschüler wussten in dieser Zeit nichts über die Geschäfte des Schweriners. „Ich hatte ein bisschen Angst, darüber mit meinen Mitschülern zu sprechen. Deswegen habe ich das lange geheim gehalten.“ Bestärkt wurde er aber aus seinem Elternhaus. „Wir haben ihm gesagt, dass er sich ausprobieren soll und haben ihn machen lassen“, so Mutter Cornelia Ertl. Leiden tut allen voran die Freizeit unter seinen Geschäften. „Ich arbeite oft bis in die Nacht an meinen Projekten.“

Das Geschäft mit den Urzeitkrebsen lief gut. Nach nur drei Wochen waren alle Experimentierkästen vergriffen. Und obwohl das Geschäft ein voller Erfolg war, orientierte sich Ertl neu. Es war nämlich Zeit für den eigenen Führerschein. Und da fiel dem 17-Jährigen etwas auf. „Auf der Suche nach einer passenden Fahrschule habe ich gemerkt, dass man den Online-Auftritt vieler Fahrschulen verbessern kann.“ Zusammen mit seinem guten Freund Theodor von Elbe, der mit seinen 18 Jahren ebenfalls noch sehr jung ist, war also die Idee geboren, Fahrschulen bei der Digitalisierung zu helfen. Die beiden machten Nägel mit Köpfen und gründeten im Mai 2020 die Firma Fahrschul Boost. Inzwischen habe das Unternehmen zehn Mitarbeiter und betreue Fahrschulen in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Und was sind die Ziele des ambitionierten Schweriners? Geht es nach ihm, hört er nach der elften Klasse des Fridericianums auf und widmet sich vollends seiner Firma. „Davon sind meine Eltern nicht begeistert. Sie wollen, dass ich mein Abitur zu Ende mache.“ Auch ein Studium strebt er zum jetzigen Zeitpunkt nicht an. „Ich bin ein Fan davon, in der Praxis Erfahrungen zu sammeln.“

Von Thorben Oberhag

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