6. Oktober 2018

Null Bock auf Schule: Mehr Schwänzer in MV

5596 Schüler fehlten 2016/17 unentschuldigt / Opposition wirft Bildungsministerin Ohnmacht vor

SCHWERIN Die Zahl der Schulschwänzer in Mecklenburg-Vorpommern steigt bedrohlich. Wurden im gesamten Schuljahr 2010/11 noch 2605 Schüler mit unentschuldigten Fehltagen registriert, so waren es 2016/17 bereits 5596 Schüler. Das geht aus der Antwort des Bildungsministeriums auf eine Kleine Anfrage der AfD-Fraktion im Landtag hervor. Zahlen für das Schuljahr 2017/18 liegen noch nicht vor. Insgesamt gibt es an allen öffentlichen Schulen im Land etwa 120 000 Schüler. Ursache für die negative Entwicklung ist aus Sicht des Ministeriums „die Zunahme von individuellen, familiären, aber auch psychischen Problemen von Kindern und Jugendlichen“. Die Zahl der Schulschwänzer steige nicht nur in Mecklenburg- Vorpommern, sondern auch bundesweit, heißt es in der Antwort. Als häufigste Gründe für das unentschuldigte Fehlen wurden die fehlende Lust auf Schule, ein hoher Leistungsdruck, bestehende Probleme mit Mitschülern oder Lehrkräften sowie langweilig empfundener Unterricht genannt. Wie das Bildungsministerium weiter mitteilt, handele es sich bei dem Gros um sogenannte „Gelegenheitsschwänzer“. Der Anteil der Schüler mit ein bis zwei unentschuldigten Fehltagen mache 40 bis 44 Prozent an der Gesamtzahl der Schulschwänzer aus. Zur Bekämpfung des Schulabsentismus hat das Bildungsministerium ein 7-Punkte-Programm aufgestellt, das unter anderem ab dem sechsten unentschuldigten Fehltag die Einleitung eines Bußgeldverfahrens gegen die Eltern und ab dem elften Fehltag im Schuljahr die polizeiliche Zuführung zur Schule empfiehlt. Die Opposition im Landtag wirft dem Ministerium Ohnmacht vor. „Bereits der Ausdruck ‚Gelegenheitsschwänzer‘, den die Ministerin verwendet, zeigt deren Ahnungslosigkeit“, kritisiert die Vorsitzende der Linksfraktion im Schweriner Landtag, Simone Oldenburg. Wenn Kinder nicht zur Schule kommen, sei dies in der Regel ein Hilfeschrei. „Hier müssen sofort alle Beteiligten an einen Tisch“, sagt Oldenburg. Dafür bräuchten aber Lehrkräfte mehr Zeit, die sie nicht hätten, und alle Schulen Sozialarbeiter. Unter den Schulen gab es 2016/17 große Unterschiede. Beispiel Rostock: Während am Schulcampus Evershagen 133 Schwänzer registriert wurden, meldete das Innerstädtische Gymnasium nur drei an das Ministerium. Ähnlich sieht es in Schwerin aus: Am Gymnasium Fridericianum fielen im gesamten Schuljahr nur zwei Schüler beim Schwänzen auf, an der Grundschule am Mueßer Berg waren es dagegen 149 Schüler.

Von Thomas Volgmann

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