Premiere für Drehorte-Tour durch Schwerin
Stadtführer Jürgen Hingst zeigt bei Rundgang Orte in der Landeshauptstadt, die wohl schon die ganze Welt gesehen hat
Marco Dittmer
Stadtführung – Klappe, die erste. Am Sonnabend startet auf dem Marktplatz eine Gästetour durch Schwerin, die Orte zeigt, die schon mal auf einer Leinwand zu sehen waren.
Neben dem Schweriner Schloss, das nach einer Aufnahme im Kinofilm „Kingsman: The Golden Circle“ wohl die ganze Welt kennt, sind 15 Stationen geplant, darunter einige Überraschungen. Gästeführer Jürgen Hingst wird bei der zweistündigen Tour die Regie übernehmen. Fast ein halbes Jahr hat er sich auf diesen Tag vorbereitet. Und trotzdem wird der 69-Jährige etwas aufgeregt sein, wenn ihn 14 Uhr seine erste Gruppe Stadtführer Jürgen Hingst zeigt bei Rundgang Orte in der Landeshauptstadt, die wohl schon die ganze Welt gesehen hat auf dem Schweriner Marktplatz erwartet. Von dort wird er dann mit seinem Publikum zur alten Post gehen, zwischen der Mecklenburgstraße und Bischofstraße gelegen. Das imposante Gebäude war Drehort für eine TV-Serie, die Anfang des Jahres ein großer Erfolg wurde und überhaupt der Grund für die Drehorte Stadtführung ist: Die Toten von Marnow. „Nach dieser Serie, die zu einem großen Teil in Schwerin gedreht wurde, haben wir uns entschieden, eine DrehorteTour durch die Stadt zu organisieren“, erzählt Jürgen Hingst Reaktionen gab es schon im Frühjahr. Immer wieder fragten Urlauber in der Schweriner Touristeninformation nach Originalplätzen der Serie. Diese sind gar nicht so leicht zu finden, da sie für die Fernsehproduktion zum Teil deutlich umfunktioniert wurden. Oft gezeigt in dem Achtteiler wurde die Alte Post, in der sich das Polizeikommissariat Schwerin befand. Aber auch das Fridericianum und Plätze in den Stadtteilen Mueßer Holz und Görries waren Kulissen in der Krimi-Serie. Es gibt aber noch zahlreiche weitere Filme, in denen Schwerin Spielort oder zumindest Drehort war, verrät Gästeführer Jürgen Hingst. Doch wenn in der Landeshauptstadt die Kameras liefen, heißt das noch lange nicht, dass auf der Leinwand Schwerin erwähnt wird. So wurde das Schloss in der Vier-Sekunden-Szene im zweiten Teil der Kingsman Reihe zum Sitz des schwedischen Königshauses. In den 1950er-Jahren wurde Schwerin auf der Leinwand dann auch mal als Hamburg dargestellt. Damit die Kulisse in dem Film „Ernst Thälmann“ möglichst detailgetreu wirkt, wurden Geschäfte am Wittenburger Berg mit Holsten-Biere-Schildern dekoriert. Vor allem für die Aktiengesellschaft Deutsche Film, kurz Defa, war Schwerin, das vom Krieg weitgehend verschont wurde, ein beliebter Drehort. Jürgen Hingst hat alle diese Geschichten zusammengetragen und daraus ein Drehbuch für eine unterhaltsame Tour erstellt. Einige Details werden dabei wahrscheinlich auch Film-Kenner überraschen. Zum Beispiel, wie Schwerin um ein Haar eine Filmhauptstadt geworden wäre. „Gleich zu Beginn der Filmindustrie wurde Anfang der 1920er-Jahre im Freistaat Mecklenburg-Schwerin die Obotrit Filmfabrik Offak gegründet“, sagt Hingst. Das Unternehmen produzierte Stummfilme und sollte eine Konkurrenz zum entstehenden Filmstudio Babelsberg in Berlin sein. Doch die Weltwirtschaftskrise machte die Pläne des Freistaates zunichte, die Offak ging Konkurs. Und auch, dass Ministerpräsidentin Manuela Schwesig mal in einem Teenie-Film mit dem Titel „Verbotene Liebe“ zu sehen war, verrät Hingst bei einem Halt vor der Staatskanzlei. Martina Müller von der Schweriner Stadtmarketing Gesellschaft ist überzeugt, dass das neue Angebot ein Erfolg wird. „Wir gehen davon aus, dass es speziell für Gruppen eine interessante Führung ist“, sagt die Geschäftsführerin. Zur Premiere am Sonnabend steht bereits ein zweiter Stadtführer bereit, der eine zusätzliche Gruppe ab 14 Uhr übernehmen kann. Wird die Tour künftigweiter nachgefragt, soll sie in das Programm der öffentlichen Führungen aufgenommen werden. Dann könnte sie bald jeden fünften Sonnabend stattfinden. „Wir gehen davon aus, dass es speziell für Gruppen eine interessante Führung ist.“ Martina Müller Stadtmarketing Schwerin.