Schicksale auf goldenen Quadern
Schweriner Volkszeitung, 22.11.2019, Mario Kuska
Kinder engagieren sich für Historie: Neue Stolpersteine für Gedenken an Opfer der Nazi-Zeit in Schweriner Pflaster eingelassen
Von Mario Kuska
SCHWERIN Die Landeshauptstadt hat fünf neue Stolpersteine. Doch zum buchstäblichen Stolpern hat Aktionskünstler Gunter Demnig aus Köln die Quader mit der güldenen Legierung nicht in die Erde gelassen. Ganz im Gegenteil: Stolpern sollen Passanten nur sinnbildlich. Über Schicksale von Menschen. In der Tannhöfer Allee 9 und am Großen Moor 2 sind die Quader jetzt für die Familie Loeser in der Erde verankert worden. An beiden Orten lebten die von den Nazis verfolgte Familie. Neben dem Einmauern der Steine vor den Häusern gab es im Konservatorium am frühen Abend eine Gedenkveranstaltung. Schüler des Fridericianums hatten unter Anleitung von Lehrerin Christine Kindt eine aufwendige Ausstellung für die fünf Opfer des NS-Regimes erstellt und dafür lange recherchiert. Seit 2006 erinnern auch in der Landeshauptstadt Schwerin Stolpersteine an die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Hinter jedem steckt ein Schicksal, das mit wenigen Daten auf einer 10 mal 10 Zentimeter großen Messingplatte dokumentiert ist. Die Stolpersteine werden jeweils vor dem letzten selbst gewählten Wohnort der Opfer in den Gehweg eingelassen. 77 Stolpersteine sind in Schwerin seit 2006 verlegt worden. „Finanziert aus Spenden von Bürgern, denen es wichtig ist, dass Geschichte lebendig bleibt. Nun kom- men diese fünf neuen Steine hinzu“, sagt Sabine Klemm von der Schweriner Stolperstein- Initiative. Gemeinsam mit Martin Klähn unterstützt sie in Schwerin gestern an beiden Standorten Aktionskünstler Gunter Demnig, der deutschlandweit die Stolpersteine in die Erde bringt. „Gegen das Vergessen“, sagt Martin Klähn.

Fünf neue Stolpersteine für Schwerin: Aktionskünstler Gunter Demnig bringt die Quader in der Tannhöfer Allee und am Großen Moor in die Erde. FOTO: KUSKA