Gute Bedingungen für Unterricht zu Hause gibt es nicht in allen Familien, trotzdem bleiben viele Schulkinder in den eigenen vier Wände FOTO: ULRICH PERREY / DPA
5. Januar 2021

Schüler bleiben zu Hause

Am ersten Schultag nach den Weihnachtsferien lernt ein Großteil der Schüler über digitale Plattformen.

SCHWERIN UND UMLAND Leere Klassenräume bestimmen am ersten Tag nach den Ferien den Alltag an vielen Schulen. Seit Mitte Dezember gilt die Aufhebung der Präsenzpflicht – und die Landeshauptstadt und die umliegenden Gemeinden machen davon viele Schüler Gebrauch. „Es ist bei uns bisher sehr unterschiedlich“, sagt Annett König. Auch nach den Weihnachtsferien galt die Regelung bereits. Mehr als zehn Kinder kamen jedoch in die Heinrich-Heine-Grundschule – von etwa 300. Und auch jetzt zeichnet sich ein ähnliches Bild ab. „Die Eltern nehmen das Angebot, ihre Kinder zu Hause zu behalten, sehr gut an“, so die Schulleiterin weiter.

Auch am Gymnasium Fridericianum ist die Situation ähnlich. Von den knapp 60 Schülern der fünften und sechsten Klasse waren am Montag sechs vor Ort. „Wir haben allerdings auch viele Fahrschüler, bei denen die Eltern Betreuungsmöglichkeiten im direkten Umfeld suchen“, so Schulleiterin Cordula Scheibel. Wer trotzdem in die Schule kommt, arbeitet wie die Schüler zu Hause über die digitale Plattform des Gymnasiums.

Doch auch, wenn viele Eltern ihre Kinder aus Sorge vor einer möglichen Infektion zu Hause lassen, gibt es Kritik. Nach den Worten von Rainer Schiffel, dem Vorsitzenden des Kreiselternrates, ist das so gelobte Lernen zu Hause aber auf keinen Fall Unterricht“, sagt Rainer Schiffel. Er hat selbst drei schulpflichtige Kinder, die aktuell die Klassenräume nicht von innen sehen.

Das Problem laut Schiffel, der international auch als Bildungsrat tätig ist, ist die Situation zu Hause. „Die Bedingungen für digitales Lernen müssten eigentlich überall gleich sein, das ist aber leider nicht so“, so der Familienvater. Denn während einige Schüler in ihren eigenen Räumen mit Tablets ausgestattet sind, fehlt das reiche laut Schiffel oft.

Auch im Schweriner Umland ist es ruhig in den Schulen. An der Naturgrundschule in Plate sind sie vor den Ferien bereits davon ausgegangen, dass eine pro Klasse in die Schule kamen. Ähnlich sieht es auch heute aus. „Es läuft ganz gut. Die Eltern machen einen wirklich tollen Job und die Kinder halten sich in die Schule geschickt“, erklärt Schulleiterin Sonja Radke. Wichtiger als die gemachten Aufgaben ihrer Kollegen, sei momentan Sportschulen zu Hause absolviert werden können. „Auch die Bewegung darf nicht zu kurz kommen und wichtig sind klare Strukturen, selbst wenn die Kinder zu Hause bleiben: den Wecker stellen und rechtzeitig aufstehen. Homeschooling bedeutet nicht Ferien“, betont Sonja Radke.

Etwas Nachbesserung bedarf es noch bei den Anmeldungen der Kinder: „Die Verordnung sagt ganz klar, wer sein Kind in die Schule schickt, der macht es mindestens eine Woche. Wer nicht, der braucht es nicht mehr“, sagt Schulleiterin Radke und bittet darum, dies dann per E-Mail zu tun.

In der Nachbargemeinde Sukow läuft es laut Aussagen von Schulleiterin Birg Warkentin reibungslos. Die derzeit befinden sich 30 der 132 Schüler im Schulgebäude. „Wir hatten genügend Zeit, alles vorzubereiten. Das hat dies diesmal bezahlt gemacht. Alle Schüler haben sich aufgeholt und kommen auch gut mit der jetzigen Situation zurecht“, versichert die Schulleiterin.

Neue Apps werden es nun auch problemlos möglich machen, dass Eltern oder Lehrern gezielt Fragen stellen können.

von Sebastien Kabst und Katja Müller

Die Kommentare sind geschlossen.

zurück