4. November 2023

Schüler-Demo gegen Lehrermangel. Unterrichtsausfall und Fahrten in andere Schulen – deshalb wollen Jugendliche vor dem Schloss protestieren

Mathe – fällt aus,   Physik – fällt   aus, Deutsch –   fällt aus. Diese   Nachrichten sind für die   Schüler der Bertolt-Brecht-   Schule in Schwerin bereits   Normalität. Mehrere Schulstunden   können nicht stattfinden.   Vier bis fünf Freistunden   würden häufig pro   Woche zusammenkommen,   schätzt Lena Celik. Sie geht   in die 10. Klasse der Schweriner   Schule und möchte,   nachdem sie ihr Abitur gemacht   hat, Rechtsanwältin   werden. Doch bis dahin ist   es noch ein langer Weg – und   ein steiniger. Denn mit dem   Unterrichtsausfall scheint   das Abitur immer ferner.   Auf diesen unhaltbaren   Zustand wollen die Schüler   der achten bis zwölften   Klassen jetzt aufmerksam   machen. Während einer   Kundgebung am Dienstag, 7.   November, ab 13 Uhr vor   dem Schweriner Schloss   werden sie auf den Lehrermangel   hinweisen und sinnvolle   Lösungen fordern.   „Alle Regionalen Schulen   in Schwerin sind eingeladen,   mitzumachen“, sagt Lena   Celik. Rund 800 Schüler   werden an der Siegessäule   mit Plakaten und Megafonen   erwartet, die für ihr   Recht auf Bildung kämpfen.   „Demokratie leben während   des Unterrichts“, nennt es   Sabine Heinecke, die den   Schülerrat betreut und   gleichzeitig Sozialkundelehrerin   ist. „Der Lehrermangel   betrifft uns sehr stark“, sagt   sie. Am Dienstag wird sie   ihre Schüler unterstützen.   Das Bildungsministerium   teilte auf Nachfrage mit,   dass derzeit 64 Lehrkräfte   an der IGS Bertolt Brecht   Schwerin beschäftigt seien.   Unterstützt würden sie   durch zwei Schulsozialarbeiterinnen,   zwei Sonderpädagoginnen   und zwei   Lernhelfer. Für die Bertolt-   Brecht-Schule seien laut Bildungsministerium   aktuell   fünf Stellen ausgeschrieben.   Insgesamt seien zum   Schuljahresbeginn in MV   617 Lehrkräfte neu eingestellt   worden, 94 Stellen waren   noch ausgeschrieben,   für weitere 72 liefen die Bewerbungs-   und Einstellungsverfahren,   so Bildungsministerin   Simone Oldenburg   (Linke) zum Schuljahresbeginn.   „Die Schulleitung der IGS   Bertolt Brecht hat in enger   Zusammenarbeit mit der zuständigen   Schulbehörde   große Anstrengungen unternommen,   um die Unterrichtsversorgung   der Schülerinnen   und Schüler zu sichern.   Somit werden nunmehr   alle Unterrichtsfächer   gemäß Kontingentstundentafel   abgedeckt“, heißt es   von Henning Lipski, Pressesprecher   des Bildungsministeriums.   Die vorgeschriebenen   Schulstunden, die die   Schüler für den jeweiligen   Abschluss brauchen, würden   also erreicht. Wie hoch   der Stundenausfall aktuell   tatsächlich ist, könne das   Bildungsministerium nicht   beantworten. „Die statistische   Erfassung des Vertretungsunterrichts   und Unterrichtsausfalls   wird turnusmäßig   nach Ablauf eines   Schuljahres rückwirkend erhoben“,   so Lipski.   Besonders schlimm sei es   in den naturwissenschaftlichen   Fächern, sagt Leonie   Therese Findeisen. Sie ist   Schülerin der 11. Klasse an   der Bertolt-Brecht-Schule   und ist direkt vom Lehrermangel   betroffen. „Morgen   habe ich nur zwei von acht   Stunden“, sagt sie. Physikunterricht   gebe es für die   Schüler der Oberstufen beispielsweise   gar nicht mehr   an der Schule. „Dafür müssen   wir zum Fridericianum   fahren“, sagt Leonie. Das bedeute,   dass die Pausen rund   um den Physikunterricht nahezu   vollständig ausfallen.   Denn diese Zeit würde die   Fahrt mit den öffentlichen   Verkehrsmitteln fressen.   Der Mathe-Leistungskurs   finde nur drei statt fünf   Stunden die Woche statt.   „Es geht nächstes Jahr auf   die Prüfungen zu“, sagt Leonie   Therese Findeisen mit   Sorge. Viele ihrer Mitschüler   würden die Leistungskurse   mittlerweile danach aussuchen,   in welchen Fächern sie   eine möglichst niedrige   Wahrscheinlichkeit für   Unterrichtsausfall hätten.   Jeremy Jason Belling ist   Zehntklässler an der Schweriner   Schule und macht sich   Sorgen, dass er seinen Berufswunsch   nicht erreichen   kann. Im IT-Bereich möchte   er nach dem Abitur arbeiten.   Doch dafür brauche er gute   Noten in Mathematik.   Mit der Kundgebung am   Dienstag wollen sie erreichen,   dass die Politik ihnen   zuhört. „Wir wollen mit Manuela   Schwesig und Simone   Oldenburg ins Gespräch   kommen“, sagt Lena Celik.   „Die Politik ist dafür verantwortlich,   dass wir eine gesicherte   Bildung erhalten.“   Die Schüler haben kein Verständnis   dafür, dass bisher   keine Lösung gefunden wurde   und sammeln Unterschriften   für ihre Petition.   „Wir sind doch die Zukunft“,   sagt Lena Celik. Schüler-Demo gegen Lehrermangel   Unterrichtsausfall und Fahrten in andere Schulen – deshalb wollen Jugendliche vor dem Schloss protestieren   Mathe – fällt aus,   Physik – fällt   aus, Deutsch –   fällt aus. Diese   Nachrichten sind für die   Schüler der Bertolt-Brecht-   Schule in Schwerin bereits   Normalität. Mehrere Schulstunden   können nicht stattfinden.   Vier bis fünf Freistunden   würden häufig pro   Woche zusammenkommen,   schätzt Lena Celik. Sie geht   in die 10. Klasse der Schweriner   Schule und möchte,   nachdem sie ihr Abitur gemacht   hat, Rechtsanwältin   werden. Doch bis dahin ist   es noch ein langer Weg – und   ein steiniger. Denn mit dem   Unterrichtsausfall scheint   das Abitur immer ferner.   Auf diesen unhaltbaren   Zustand wollen die Schüler   der achten bis zwölften   Klassen jetzt aufmerksam   machen. Während einer   Kundgebung am Dienstag, 7.   November, ab 13 Uhr vor   dem Schweriner Schloss   werden sie auf den Lehrermangel   hinweisen und sinnvolle   Lösungen fordern.   „Alle Regionalen Schulen   in Schwerin sind eingeladen,   mitzumachen“, sagt Lena   Celik. Rund 800 Schüler   werden an der Siegessäule   mit Plakaten und Megafonen   erwartet, die für ihr   Recht auf Bildung kämpfen.   „Demokratie leben während   des Unterrichts“, nennt es   Sabine Heinecke, die den   Schülerrat betreut und   gleichzeitig Sozialkundelehrerin   ist. „Der Lehrermangel   betrifft uns sehr stark“, sagt   sie. Am Dienstag wird sie   ihre Schüler unterstützen.   Das Bildungsministerium   teilte auf Nachfrage mit,   dass derzeit 64 Lehrkräfte   an der IGS Bertolt Brecht   Schwerin beschäftigt seien.   Unterstützt würden sie   durch zwei Schulsozialarbeiterinnen,   zwei Sonderpädagoginnen   und zwei   Lernhelfer. Für die Bertolt-   Brecht-Schule seien laut Bildungsministerium   aktuell   fünf Stellen ausgeschrieben.   Insgesamt seien zum   Schuljahresbeginn in MV   617 Lehrkräfte neu eingestellt   worden, 94 Stellen waren   noch ausgeschrieben,   für weitere 72 liefen die Bewerbungs-   und Einstellungsverfahren,   so Bildungsministerin   Simone Oldenburg   (Linke) zum Schuljahresbeginn.   „Die Schulleitung der IGS   Bertolt Brecht hat in enger   Zusammenarbeit mit der zuständigen   Schulbehörde   große Anstrengungen unternommen,   um die Unterrichtsversorgung   der Schülerinnen   und Schüler zu sichern.   Somit werden nunmehr   alle Unterrichtsfächer   gemäß Kontingentstundentafel   abgedeckt“, heißt es   von Henning Lipski, Pressesprecher   des Bildungsministeriums.   Die vorgeschriebenen   Schulstunden, die die   Schüler für den jeweiligen   Abschluss brauchen, würden   also erreicht. Wie hoch   der Stundenausfall aktuell   tatsächlich ist, könne das   Bildungsministerium nicht   beantworten. „Die statistische   Erfassung des Vertretungsunterrichts   und Unterrichtsausfalls   wird turnusmäßig   nach Ablauf eines   Schuljahres rückwirkend erhoben“,   so Lipski.   Besonders schlimm sei es   in den naturwissenschaftlichen   Fächern, sagt Leonie   Therese Findeisen. Sie ist   Schülerin der 11. Klasse an   der Bertolt-Brecht-Schule   und ist direkt vom Lehrermangel   betroffen. „Morgen   habe ich nur zwei von acht   Stunden“, sagt sie. Physikunterricht   gebe es für die   Schüler der Oberstufen beispielsweise   gar nicht mehr   an der Schule. „Dafür müssen   wir zum Fridericianum   fahren“, sagt Leonie. Das bedeute,   dass die Pausen rund   um den Physikunterricht nahezu   vollständig ausfallen.   Denn diese Zeit würde die   Fahrt mit den öffentlichen   Verkehrsmitteln fressen.   Der Mathe-Leistungskurs   finde nur drei statt fünf   Stunden die Woche statt.   „Es geht nächstes Jahr auf   die Prüfungen zu“, sagt Leonie   Therese Findeisen mit   Sorge. Viele ihrer Mitschüler   würden die Leistungskurse   mittlerweile danach aussuchen,   in welchen Fächern sie   eine möglichst niedrige   Wahrscheinlichkeit für   Unterrichtsausfall hätten.   Jeremy Jason Belling ist   Zehntklässler an der Schweriner   Schule und macht sich   Sorgen, dass er seinen Berufswunsch   nicht erreichen   kann. Im IT-Bereich möchte   er nach dem Abitur arbeiten.   Doch dafür brauche er gute   Noten in Mathematik.   Mit der Kundgebung am   Dienstag wollen sie erreichen,   dass die Politik ihnen   zuhört. „Wir wollen mit Manuela   Schwesig und Simone   Oldenburg ins Gespräch   kommen“, sagt Lena Celik.   „Die Politik ist dafür verantwortlich,   dass wir eine gesicherte   Bildung erhalten.“   Die Schüler haben kein Verständnis   dafür, dass bisher   keine Lösung gefunden wurde   und sammeln Unterschriften   für ihre Petition.   „Wir sind doch die Zukunft“,   sagt Lena Celik.

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