Schulsanitäter in Schwerin: Jugendliche lernen Verantwortung für den Ernstfall
Dieser Artikel erschien am 22.07.2026 in der Hauspost-App.
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Der 14-jährige Teetje (l.) aus der 8. Klasse versorgte eine Verletzte, die Verätzungen am Auge und an dem Arm hatte | Foto: maxpress
Kinder und Jugendliche lernen an ihrer Schule, was im Notfall zu tun ist. Sie übernehmen früh Verantwortung und unterstützen Einsatzkräfte und Lehrer im
Ernstfall. Dafür bietet das DRK einmal wöchentlich pro Schule die AG Schulsanitäter an.
Jedes Jahr findet in Schwerin im Sommer ein Schulsanitätsdienstwettbewerb statt. Knapp 100 Schülerinnen und Schüler fast aller Klassenstufen messen dann ihr Können. Die hauspost sprach mit Jens Leupold (Foto r.), Geschäftsführer vom DRK Kreisverband Schwerin.

Jens Leupold (4.v.l) begrüßte am 19. Juni den Schulsanitätsdienstwettbewerb gemeinsam mit dem stellvertretenden Oberbürgermeister Bernd Nottebaum (Mitte, 1.v.l.), Thomas Neugebauer (3.v.l.), Präsident des DRK-Kreisverbandes Schwerin, und der stellvertretenden Schulleiterin Claudia Häfner-Schneider (2.v.l.) die jungen Schulsanitäter | Foto: maxpress
hauspost: Wie werden Schüler eigentlich zu Schulsanitätern?
Leupold: Die Schulen bieten gemeinsam mit uns neben dem Regelunterricht die AG Schulsanitäter an. Wir informieren, bilden aus und sind dadurch mindestens einmal die Woche für circa 90 Minuten an den Schulen. In dieser Arbeitsgemeinschaft lernen Schüler ab der 6. Klasse alles, was zum Beispiel auch in der Fahrschule gelehrt wird: stabile Seitenlage, Herzdruckmassage, Wundbehandlung, Betreuung bei Unfällen und vieles mehr.
hauspost: Wie werden junge Menschen für das Thema eigentlich interessiert?
Leupold: Schulsanitäter werben Schulsanitäter an den Schulen. Einige Schüler sind ja bis zur 12. Klasse dabei und geben ihre Begeisterung und die Werte dieser Arbeit an jüngere Schüler weiter. Dabei setzen wir und die Schulen auf Freiwilligkeit. Niemand muss, aber jeder kann und lernt dabei fürs Leben.
Verantwortung im Schulalltag
hauspost: Übernehmen Schulsanitäter auch Aufgaben im Schulalltag?
Leupold: Ja natürlich. Die Schulleitung und Lehrer binden die Schulsanitäter mit ein, wenn im Schulalltag ein medizinischer Notfall passiert. Ob bei Lehrern, Schülern oder Eltern – die Schulsanitäter werden dann ausgerufen und kommen zur Unfallstelle. Sie helfen bei Kreislaufproblemen, in der Wundbehandlung oder kümmern sich um die Einhaltung der Rettungskette. Sie sind für die Lehrer eine enorme Unterstützung. Es gibt aber die Sonderregelung: Bei Klausuren oder Prüfungen müssen sie nicht ausrücken.
hauspost: Wie können wir uns das vorstellen: Haben die Schulsanitäter immer eine Notfalltasche bei sich?
Leupold: Immer, neben der Schulbank oder auch in der Hofpause. Sie sind Ansprechpartner und übernehmen Verantwortung. Wenn jemand Schulsanitäter geworden ist, hat er im Dienst auch immer eine eigene Notfalltasche in der Schule dabei.
hauspost: Beteiligen sich alle Schulen in Schwerin daran?
Leupold: Fast alle, aber die Nachfrage wächst und dann arbeiten wir auch gerne mit weiteren Schulen zusammen, um zu unterstützen.
hauspost: Wer bezahlt diese wichtige Ausbildung und Arbeit an den Schulen?
Leupold: Das machen wir über den DRK Kreisverband mit Mitgliedsbeiträgen und Spenden. Das ist nicht immer einfach, aber es gibt einige Unternehmen, die uns gerne unter die Arme greifen.
hauspost: Gilt das auch für den Schulsanitätsdienstwettbewerb?
Leupold: Hier sind wir auf Startgebühren von 45 Euro pro Person sowie auf Spenden angewiesen. Insbesondere für Schüler aus Familien, die nicht soviel Geld übrig haben, sind 45 Euro schon eine Herausforderung. Getränke und das Essen werden darüber für das Wochenende bezahlt. Dieses Jahr haben sich zum Beispiel vier Mädchen nicht gemeldet, weil sie das Startgeld nicht aufbringen konnten. Erst auf unsere Nachfrage haben wir das erfahren, weil sie sich geschämt haben. Ein Sponsor hat dann diese Startgebühren übernommen und die Mädels waren voller Begeisterung dabei.
Wettbewerb fördert Praxis und Teamarbeit
hauspost: Was macht den Schulsanitätsdienstwettbewerb so wertvoll?
Leupold: Die Kinder können hier voneinander lernen und sich darin messen, was sie können. Wir bauen Stationen mit Unfällen auf, die Statisten werden dafür geschminkt, die Gruppen beratschlagen, was zu tun ist. Das ist spannend und so wichtig zugleich.
Auch dafür brauchen wir immer Unterstützung. Rund 80 ehrenamtliche Helfer sind dabei. Die meisten davon sind ehemalige Schulsanitäter, die jetzt in der Ausbildung oder schon im Beruf sind. Die packen hier über mehrere Tage mit an, weil sie wissen, wie wichtig es ist.
hauspost: Wie kann unterstützt werden?
Leupold: Spenden helfen, aber auch Sachspenden. Wenn ein Verbandskasten vom Auto abläuft, dann kann dieser bei uns abgegeben werden, denn wir brauchen auch viel Verbandsmaterial, um den Wettkampf durchzuführen. Wir sind für jede Unterstützung dankbar.

Die Nachwuchssanitäter sind auch darin geschult, bei schweren Verletzungen das Richtige zu tun. Hier hatte die verletzte Frau einen Skateunfall mit abgebrochenem Absatz von einem Schuh | Foto : maxpress