Schulweltladen im Schweriner Fritz
Als Severin ein Fairtrader wurde, war er in der 7. Klasse. Jetzt geht er in die 11. Und immer noch ist er bei der AG Schulweltladen dabei. Es ist Montagnachmittag. Gleich trifft er sich mit den anderen in der Mensa. Zu dieser Zeit laufen tolle AG am Fritz, wie die Schule auch genannt wird. Etwa Akrobatik, Kochen oder Schauspiel. Ganz schön verlockend. Aber nein, Severin macht lieber beim Schulweltladen mit. „Ich bin schon so lange dabei“, sagt er. „Ich kann den Jüngeren zeigen, wie es geht, fair gehandelte Produkte zu verkaufen. Das macht mir Spaß.“ Außerdem hat er ein bisschen Angst, dass die Fairtrader, wie sie sich selber nennen, an der Schule verschwinden könnten. „Es gab auch mal das ein oder andere Schuljahr, wo keine neuen Schüler bei uns dazukamen. Zum Glück sieht es in diesem Jahr wieder richtig gut aus. Es sind ein einige neue da.“ Heute sitzen die Fairtrader also wieder zusammen. „Wir checken, wie viele Produkte wir verkauft haben“, erzählt Helena. „Und was besonders gut läuft. Viele Schüler mögen die weiße Schokolade. Die ganz kleinen Schoko-Täfelchen und Keksrollen gehen auch gut und witzigerweise auch die kleinen Mango- und Ananas- Säfte. Das hätten wir nicht gedacht.“ In den Mittagspausen holen die Fairtrader ihren Wagen raus und rollen ihn an den Eingang der Mensa. Dahin, wo die meisten Schüler vorbeikommen. Einige freuen sich über die Pausen- Snacks. Andere holen sich lieber nebenan bei der Essenausgabe „normale“ Süßigkeiten. Manche fragen auch, wozu die Fairtrader das machen und warum alles so teuer ist. Auf solche Fragen sind Helena, Severin und die anderen vorbereitet. Sie erzählen dann, dass ihre Produkte fair gehandelt werden, die Menschen in ärmeren Ländern dafür besseren Lohn bekommen und mit ihren Familien vernünftig leben können. „Es gibt keine Kinderarbeit und die Sachen werden umweltschonender hergestellt“, so Helena. „Und wir finden auch, dass sie gut schmecken. Ich hab mir mal zwei Schokoladenstücken gleichzeitig in den Mund gesteckt. Eins in die linke Backe, eins in die rechte Backe. Die Fairtrade-Schokolade fand ich leckerer.“ Heute überlegen die Fairtrader vom Fritz-Gymnasium, welche Naschereien sie unbedingt besorgen müssen. Alle sechs bis acht Wochen gehen sie in den Weltladen in Schwerin und bestellen dort ihre Ware. Die holen sie dann auch selber ab. Dadurch lernen die Mädchen und Jungen nicht nur viel über den Fairtrade-Handel sondern gleichzeitig noch, wie man Buchhaltung macht und Marketing betreibt. Schließlich wollen sie so viel wie möglich verkaufen. Sogar im Lehrerzimmer haben sie ihre Pausen- Snacks deponiert. Dort steht ein Bauchladen, den sie fleißig füllen. Hier greift auch Malina Neumeier gerne zu. Die Englisch- und Geschichtslehrerin leitet seit kurzem die AG Schulweltladen. „Meine Vorgängerin ist in den Ruhestand gegangen“, erzählt sie. „Und dann hieß es, wenn keiner die AG übernimmt, gibt es die Fairtrade- Produkte bald nicht mehr. Das fand ich schade.“ Malina Neumeier macht die AG sehr viel Spaß. „Es fühlt sich einfach nicht wie ein Unterrichtsblock an“, sagt sie. „Wir vergessen oft die Zeit und sitzen viel länger zusammen.“ Und, machen die Fairtrader einen super Gewinn? Sie schütteln den Kopf. Weil sie fairerweise nicht viel mehr Geld für die Produkte verlangen, machen die Schüler im Jahr nur etwa 100 Euro Gewinn. Aber das ist in Ordnung, finden sie. Hin und wieder spendet ja auch jemand was für Neuanschaffungen. „Da bleibt aber auf jeden Fall was übrig“, sagt Malina Neumeier. „Vielleicht machen wir davon nächstes Jahr einen Ausflug nach Hamburg und schauen uns mal einen großen Weltladen an. Oder wir spenden das Geld. Da fällt uns schon was ein.“
von Anja Bölck