12. Dezember 2023

Schulweltladen im Schweriner Fritz

Als Severin ein Fairtrader  wurde, war  er in der 7. Klasse.  Jetzt geht er in die  11. Und immer noch ist er  bei der AG Schulweltladen  dabei. Es ist Montagnachmittag.  Gleich trifft er sich  mit den anderen in der Mensa.  Zu dieser Zeit laufen tolle  AG am Fritz, wie die Schule  auch genannt wird. Etwa Akrobatik,  Kochen oder Schauspiel.  Ganz schön verlockend.  Aber nein, Severin macht  lieber beim Schulweltladen  mit. „Ich bin schon so lange  dabei“, sagt er. „Ich kann  den Jüngeren zeigen, wie es  geht, fair gehandelte Produkte  zu verkaufen. Das  macht mir Spaß.“ Außerdem  hat er ein bisschen Angst,  dass die Fairtrader, wie sie  sich selber nennen, an der  Schule verschwinden könnten.  „Es gab auch mal das ein  oder andere Schuljahr, wo  keine neuen Schüler bei uns  dazukamen. Zum Glück  sieht es in diesem Jahr wieder  richtig gut aus. Es sind  ein einige neue da.“  Heute sitzen die Fairtrader  also wieder zusammen.  „Wir checken, wie viele Produkte  wir verkauft haben“,  erzählt Helena. „Und was  besonders gut läuft. Viele  Schüler mögen die weiße  Schokolade. Die ganz kleinen  Schoko-Täfelchen und  Keksrollen gehen auch gut  und witzigerweise auch die  kleinen Mango- und Ananas-  Säfte. Das hätten wir nicht  gedacht.“  In den Mittagspausen holen  die Fairtrader ihren Wagen  raus und rollen ihn an  den Eingang der Mensa. Dahin,  wo die meisten Schüler  vorbeikommen. Einige freuen  sich über die Pausen-  Snacks. Andere holen sich  lieber nebenan bei der Essenausgabe  „normale“ Süßigkeiten.  Manche fragen  auch, wozu die Fairtrader  das machen und warum alles  so teuer ist.  Auf solche Fragen sind  Helena, Severin und die anderen  vorbereitet. Sie erzählen  dann, dass ihre Produkte  fair gehandelt werden, die  Menschen in ärmeren Ländern  dafür besseren Lohn  bekommen und mit ihren  Familien vernünftig leben  können.  „Es gibt keine Kinderarbeit  und die Sachen werden  umweltschonender hergestellt“,  so Helena. „Und  wir finden auch, dass sie gut  schmecken. Ich hab mir mal  zwei Schokoladenstücken  gleichzeitig in den Mund gesteckt.  Eins in die linke Backe,  eins in die rechte Backe.  Die Fairtrade-Schokolade  fand ich leckerer.“  Heute überlegen die Fairtrader  vom Fritz-Gymnasium,  welche Naschereien  sie unbedingt besorgen müssen.  Alle sechs bis acht Wochen  gehen sie in den Weltladen  in Schwerin und bestellen  dort ihre Ware. Die  holen sie dann auch selber  ab. Dadurch lernen die Mädchen  und Jungen nicht nur  viel über den Fairtrade-Handel sondern gleichzeitig  noch, wie man Buchhaltung  macht und Marketing betreibt.  Schließlich wollen sie  so viel wie möglich verkaufen.  Sogar im Lehrerzimmer  haben sie ihre Pausen-  Snacks deponiert. Dort steht  ein Bauchladen, den sie fleißig  füllen. Hier greift auch  Malina Neumeier gerne zu.  Die Englisch- und Geschichtslehrerin  leitet seit  kurzem die AG Schulweltladen.  „Meine Vorgängerin ist  in den Ruhestand gegangen“,  erzählt sie. „Und dann  hieß es, wenn keiner die AG  übernimmt, gibt es die Fairtrade-  Produkte bald nicht  mehr. Das fand ich schade.“  Malina Neumeier macht  die AG sehr viel Spaß. „Es  fühlt sich einfach nicht wie  ein Unterrichtsblock an“,  sagt sie. „Wir vergessen oft  die Zeit und sitzen viel länger  zusammen.“  Und, machen die Fairtrader  einen super Gewinn? Sie  schütteln den Kopf. Weil sie  fairerweise nicht viel mehr  Geld für die Produkte verlangen,  machen die Schüler  im Jahr nur etwa 100 Euro  Gewinn. Aber das ist in Ordnung,  finden sie. Hin und  wieder spendet ja auch jemand  was für Neuanschaffungen.  „Da bleibt aber auf  jeden Fall was übrig“, sagt  Malina Neumeier. „Vielleicht  machen wir davon  nächstes Jahr einen Ausflug  nach Hamburg und schauen  uns mal einen großen Weltladen  an. Oder wir spenden  das Geld. Da fällt uns schon  was ein.“

 

von Anja Bölck

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