23. Januar 2013

Schwerin setzt auf gerechten Handel

SCHWERIN London, Rom, San Francisco, Hamburg, Wuppertal, Odense und Rostock haben das Siegel schon – jetzt will sich auch Schwerin zu dieser illustren Runde gesellen und „Fairtrade- Stadt“ werden. Die Kampagne startete im Jahr 2000 in Großbritannien und erstreckt sich heute über 22 Länder. Seit 2009 können sich auch deutsche Kommunen um den Titel bewerben. Nachdem die Stadtvertreter Anfang November Grünes Licht für dieses Projekt gegeben hatten, traf sich jetzt erstmals die Steuerungsgruppe, die die Aktionen von der Bewerbung bis zur Titelverleihung begleiten soll. Wenn alles wie geplant läuft, wird es am 27. September so weit sein. Eine Schweriner Besonderheit: Die Aktion, die der Weltladen in der Puschkinstraße angeschoben hat, soll im Schlosspark-Center öffentlichkeitswirksam ihren Abschluss finden. Center-Manager Klaus Banner ist Mitglied der Steuerungsgruppe und überzeugt, dass Fairtrade weiter an Bedeutung gewinnt: „Handel und Gastronomie müssen sich auf entsprechende Kundenwünsche einstellen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.“ Medienberichte über Kinderarbeit oder die Ausbeutung von Arbeitern zeigten bereits Wirkung: Viele Deutsche verzichten bewusst auf Produkte, die unter menschenunwürdigen Bedingungen hergestellt wurden. Vor allem junge Leute legen Wert darauf, mit ihrem Einkauf für mehr soziale Gerechtigkeit weltweit zu sorgen. Auch wenn vielen zum Thema Fairtrade zuallererst Kaffee einfällt, ist die Produktpalette heute viel breiter gefächert. Obst, Blumen, Baumwollprodukte, Wein, Eiscreme, Reis, aber auch Sportbälle werden fair gehandelt. Wo genau in Schwerin Fairtrade-Produkte erhältlich sind, das soll ein spezieller Einkaufsführer zeigen, der in den nächsten Wochen und Monaten erstellt werden soll. Ob es den dann gedruckt oder nur im Internet geben wird, das ist noch nicht ganz raus. „Wir beginnen jetzt in Schwerin mit der Recherche“, sagt Ralf Göttlicher von der Aktionsgruppe Eine Welt e.V. Schwerin, die die Kampagne in der Landeshauptstadt koordiniert. Auch IHK und Dehoga wollen mithelfen und entsprechende Anfragen an ihre Mitglieder rausschicken. Weil der Rücklauf auf solche Briefaktionen erfahrungsgemäß aber eher gering ist, wird die Aktionsgruppe zusätzlich noch Leute aussenden, die persönlich vor Ort nachfragen. Und noch auf andere Art soll für Fair- Trade in Schwerin stärker geworben werden. So sind Flyer und eine Plakataktion angedacht, es könnte Verkostungs- Aktionen geben, Schulen sollen stärker ins Boot geholt und gute Beispiele, wie der Schüler-Weltladen im Fridericianum, besser ins Licht der Öffentlichkeit gerückt werden. Das Schlosspark-Center liebäugelt mit einer Ausstellung über Fairen Handel, in dessen Zentrum faires Gold stehen soll. Insgesamt fünf Kriterien müssen bei der Bewerbung um den Titel „Fairtrade- Stadt“ erfüllt werden. Dazu gehören neben der Steuerungsgruppe und einer Mindestanzahl an Fairtrade-Produkten im lokalen Handel und Gaststätten auch Aktivitäten in Schulen, Kirchen, Vereinen. Außerdem müssen Politik und Verwaltung Flagge zeigen: Bei Sitzungen der Stadtvertretung sollen Produkte aus fairem Handel gereicht werden. Die Abgabe der Bewerbung, die für Ende Juli geplant ist, könnte nach Rostocker Vorbild mit einer Straßenbahnfahrt gekoppelt werden – mit fairem Frühstück. Maren Ramünke-Hoefer

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