Freunde fürs Leben: Lorna, Alfie und Christin (r.) auf der Bühne im Londoner Rathaus Chiswick
16. April 2020

Schwerinerin rettet kleinen Alfie

Christin Bouvier ist Knochenmarkspenderin und kann vierjährigen Jungen in England mit Stammzellen versorgen

Von Bert Schüttpelz

FELDSTADT Christin Bouvier ist Bio- und Philosophie-Lehrerin am Gymnasium Fridericianum und mag eigentlich keinen Rummel um ihre Person. Und doch stand sie vor Kurzem auf ganz großer Bühne in London.

Zahlreiche Gäste sind ins Rathaus gekommen und sehen zu, wie die eine Frau mit einem Kind auf dem Arm die andere Frau weinend in den Arm nimmt. Die Gäste klatschen, es ist ein mucksmäuschenstill. Für die drei Menschen auf der Bühne, die sich zum ersten Mal begegnen, ist es einer dieser Momente, von denen sie noch Jahre später erzählen werden.

Die Schwerinerin Christin Bouvier hat dem schwerkranken vierjährigen Jungen Alfie das Leben gerettet. Erst sieben Monate war der kleine Alfie alt, als seine Eltern von der niederschmetternden Diagnose erfuhren: akute lymphatische Leukämie. Das Leben des kleinen Jungen aus Nottingham hatte gerade erst begonnen – und musste schon solch eine Hürde nehmen. „Wir waren untröstlich“, erzählt Mutter Lorna Commons. „Unsere Welt wurde komplett aus den Angeln gehoben. Ich war erschüttert, dass mein Baby Krebs hatte.“ Drei Bekämpfungen mit Chemotherapie hatten nicht die erhoffte Wirkung gebracht. Die Ärzte waren ratlos. Schließlich entschieden sie sich zu einer Stammzellspende, die das Wachstum der Krebszellen aus dem Körper des kleinen Patienten verbannen konnten. Voraussetzung: Ein geeigneter Stammzellspender musste gefunden werden.

Christin Bouvier gehört zu diesen Menschen. Sie ist typisiert, braucht mehr Menschen wie sie, um anderen zu helfen.

„Als ich erfahren habe, dass der Empfänger der Stammzellen ein Baby war, habe ich einfach nur geweint. Ich kann diesen Moment bis heute nicht in Worte fassen. Wenn man immer nur in der Theorie sagt, denke ich an diesen Moment zurück“, sagt sie.

Freudentränen gab es auch, als Alfie und seine Mutter Lorna im Rathaus von Chiswick in London die 34-Jährige Schwerinerin zum ersten Mal umarmen.

„Danke, dass du meinem Kind das Leben gerettet hast“, sagte Lorna leise. „Die Welt braucht mehr Menschen wie dich! Ich wünschte, dass jeder das Happy End erleben dürfte, das wir bekommen haben.“

„Es war wirklich keine große Sache für mich“, erwidert Christin bescheiden. Lorna Commons hingegen betont: „Christin ist der einzige Grund, weshalb mein Sohn noch hier ist.“ Das sehen viele Besucher genauso und beklatschen die Szene.

Alfie? Der Vierjährige hat Christin als Heldin akzeptiert. Doch: Ich konnte ihn hatte ihm als Geschenk ein Dinosaurier-Memory mitgebracht. „Wir haben uns super richtig toll über Dinosaurier unterhalten“, sagt sie lachend. Nach einem gemeinsamen Nachmittag mit intensivem Gespräch zwischen Mutter und Spenderin gab Alfie seiner Retterin dann sogar ein beherztes „High Five“.

„Die Stammzellspende war ein einfacher und unkomplizierter Vorgang – und nichts im Vergleich zu dem, was Alfie und seine Familie durchgestanden haben“, sagt Christin Bouvier. „Das würde ich jederzeit wieder tun.“

Die Drei wollen weiter in Kontakt bleiben. Alfie und seine Familie wollen die Schwerinerin voraussichtlich im Oktober besuchen.

Für die Deutsche Knochenmarkspenderdatei DKMS will Christin Bouvier weiter im Einsatz bleiben. Sie hatte mit dem Fridericianum im November eine Typisierungsaktion für Schüler organisiert, bei der sich 117 Spender registrieren ließen und plant noch eine weitere.

„Jeder, der gesund und zwischen 17 und 55 Jahre alt ist, kann sich online unter www.dkms.de typisieren lassen“, wirbt die Lebensretterin für die DKMS in Köln.

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