2. April 2022

Vom Mühlenteich zur Flanierrunde

Teil neun der SVZ-Serie zu 30 Jahren Städtebauförderung befasst sich mit dem Pfaffenteich und seiner Uferbebauung

Bert Schüttpelz

Der Pfaffenteich gehört zu Schwerin, so wie das Schloss oder der Dom. Das zentrumsnahe Gewässer kennt jeder Schweriner, am Südufer hat jeder schon mal den Wasservögeln zugeschaut oder Kindern, die an der Bronzeskulptur Schirmkinder spielen. Mit dem Pfaffenteich verbinden viele aber auch Sporterlebnisse. Dort findet seit 20 Jahren der alljährliche Unicef-Spendenlauf statt, früher absolvierten die Schüler der Goetheschule und später des Gymnasiums Fridericianum ihre Laufrunden. Radsportfreunde erinnern sich an spektakuläre Radrennen zu DDR-Zeiten und in den 1990er Jahren. Auch der Schweriner Filmemacher Maik Gleitsmann, der im Auftrag der Stadt und des Sanierungsträgers LGE MV die Videoserie zu den Ergebnissen von 30 Jahren Städtebauförderung gedreht hat und selbst Schweriner ist, hat da so seine eigenen Erinnerungen: „Ich kenne den Pfaffenteich noch sehr gut aus meiner Kindheit und Jugend. Zweimal bin ich sogar hereingefallen, einmal davon im Winter. Hätte mich jemand gefragt, wie es am Pfaffenteich zu DDR-Zeiten ausgesehen hat, hätte ich wahrscheinlich behauptet, die Treppe am Südufer hätte es schon immer gegeben. Sie passt in ihrer Schlichtheit einfach perfekt in die Stadt.“ Folge 9 der Reihe trägt den Titel „Vom Mühlenteich zur Flanierrunde“ und beleuchtet sowohl die Geschichte des Gewässers als auch die charakteristische Bebauung seiner Uferstraßen. Vor der Stadtgründung war der heutige Pfaffenteich eine langgestreckte Bucht des Ziegelsees. Durch den Spieltordamm wird diese Bucht abgetrennt. Zum einen, um das Gewässer anzustauen und dort mit dem Fließwasser des Aubaches Mühlen zu betreiben und zum anderen, um einen neuen Fließgraben zum Burgsee zu schaffen, der der Verteidigung der Stadt diente. Seinen Namen erhielt der Teich schon früh in der Stadtgeschichte. Die Domherren, also die Pfaffen, hatten in der Niederung Ihre Gärten. Über viele Jahrhunderte blieb das Areal, das außerhalb der Stadtmauer lag, weitestgehend unbebaut. Als Großherzog Paul Friedrich 1837 seine Residenz von Ludwigslust zurück nach Schwerin verlegte, mussten nicht nur ein neues Schloss, sondern auch viele zusätzliche Repräsentations-, Verwaltungs- und Wohngebäude her. Bebaut wurde zunächst die Westseite des Pfaffenteiches mit dem Arsenal. Das war der Beginn der Entwicklung eines neuen Stadtteils der Paulsstadt. Die Erweiterungsmaßnahmen beschränkten sich aber nicht nur auf den Pfaffenteich. Der Fließgraben Richtung Burgsee wurde überwölbt, dort entstand die repräsentative Mecklenburgstraße. Erst später ab etwa 1860 gerät dann auch die noch unbebaute Ostseite des Pfaffenteichs in den Fokus. Da es auf der Seite nur sehr schlechten Baugrund gibt, zog sich die Bebauung gut 30 Jahre hin. Aber auch dann war die Umbauung noch nicht vollständig abgeschlossen. 1904 wurde an der Nordseite das Elektrizitätswerk errichtet. Den  Abschluss der Umbauung des Pfaffenteiches bildet in den 1920er-Jahren das Stadtbad auf dem Spieltordamm. Sowohl die Umbauung als auch der 120 Hektar große innerstädtische See selbst haben das 20. Jahrhundert ohne große Veränderungen überdauert. Nur am Südufer gab es über die Zeit ein paar Veränderungen. In den 1960er Jahren hatte der Bereich dann eine typische DDR-Gestaltung erhalten, mit Ziersträuchern in Betonpflanzkästen und Sitzbänken. Anfang der 1990er Jahre begannen mit der Stadterneuerung auch die Planungen für die Neugestaltung des Pfaffenteich-Südufers. Die Grundidee der Planer, die Stadt näher ans Wasser zu bringen, sollte mit einer Freitreppe ins Wasser umgesetzt werden. Es gab aber noch mehr zu tun. So musste auch die gesamte Uferkante, die vor 150 Jahren von Hofbaumeister Demmler mit Granitquadern eingefasst worden war, saniert werden. Neu gestaltet wurde auch die Terrasse am Ostufer mit dem Schliemann- Denkmal. Im Gegensatz zur weiten, offenen Südterrasse sitzt man dort etwas geschützter und ruhiger in der Abendsonne. Für die Grundidee, die Stadt oder vielmehr ihre Bewohner und Besucher näher ans Wasser zu bringen, war die Neugestaltung des Pfaffenteiches ein wichtiger Auftakt, der 15 Jahre später am Burgsee und am Beutel und weitere fünf Jahre später am Ziegelinnensee erfolgreich fortgeführt wurde. Davon erzählen der ehemalige Baudezernent Axel Höhn, der ehemalige Stadtdesigner Bernhard Hopf, Stadtarchivar Dr. Bernd Kasten und Landschaftsarchitekt Uli Franke in dem 16-minütigen Video.

† Das Video kann im Internet angesehen werden unter https://www.youtube.com/watch?v=MSN7lCdBJtU&t=3s

Mit dem Bau des Spieltordamms als Nordufer des Pfaffenteichs wurde die frühere Bucht des Ziegelinnensees abgetrennt und angestaut. Foto: Maik Gleitsmann

Das Südufer des Pfaffenteichs bildet den Anschluss an die Altstadt. Foto: Maik Gleitsmann

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