Von Schulnote 4 auf 1
Mit so einer Erfolgsquote kann wohl kein kommerzieller Nachhilfeanbieter konkurrieren. Von Note 4 auf 1 in wenigen Wochen. Zugegeben, die Latein- Kenntnisse der 12-jährigen Jori haben sich in kurzer Zeit außerordentlich gut entwickelt. Aber auch ihre Mitschülerin Annabell, die auch wegen einer 3 in der ersten Lateinklausur Hilfe suchte, zeigte schon beim nächsten Test ihren Eltern mit Stolz die Note 1. „Wenn man es einmal verstanden hat, ist es ganz leicht“, sagen beide Siebtklässlerinnen heute über den Lateinunterricht am Fridericianum. Wie sie das geschafft haben? Mit einer Nachhilfestunde, die jeden Mittwoch nach der sechsten Schulstunde beginnt. Schüler helfen Schülern, so könnte das Projekt kurz beschrieben werden. Finja und Yasmin sind an diesem Mittwoch in dem etwas schmucklosen Unterrichtsraum so etwas wie die Lehrkräfte. Die beiden 15- jährigen Mädchen gehen von Tisch zu Tisch. Etwa zehn Schüler sind heute gekommen, um Latein zu lernen. Dafür sind Finja und Yasmin die perfekten „Lehrer“. Ihr Notenschnitt liegt zwischen 1,0 und 1,2. „Wir orientieren uns an den Lehrbüchern und am Stand im Unterricht“, erklärt Finja ihr Vorgehen. In dem frühen Stadium wird noch viel abgefragt und auswendig gelernt. Finja und Yasmin kontrollieren Arbeitsblätter und Hausaufgaben. „Darf ich mir den Stift von vorne holen?“, Neues Nachhilfe-Angebot am Schweriner Gymnasium Fridericianum fragt ein Nachhilfeschüler fast schon artig. Schulleiter Dr. Uwe Dietsche ist stolz auf das neue Projekt seiner Schüler. Es wurde Anfang des neuen Schuljahres eingeführt. Oberstufenschüler können im Rahmen einer Unterrichtsstunde jüngeren Jahrgängen helfen. Warum das so gut läuft? „Vielleicht, weil wir die Fragen der Schüler besser verstehen. Wir waren auch mal in ihrer Situation“, sagt Friedrich. Der 17-Jährige besucht die 11. Klasse und sitzt einen Raum neben der Latein-Schule locker auf einem Tisch. Sein Spezialgebiet: Mathematik. Zusammen mit Karam und Jenny bringt er vier Schülern aus der achten Klasse Funktionen und Ungleichungen bei. „Sie können es auch häufig besser erklären“, sagt die 13-jährige Madita. Ein Lehrer, der mehr als 20 Schülern Mathematik im Leistungskurs beibringt, hat nicht die Möglichkeiten dafür, da ist sie sich sicher. Auch ihr hilft die Nachhilfe. Ihre Note hat sich noch nicht verbessert. „Ich stehe in Mathe eigentlich immer auf Note 3“, sagt Madita. Auch ist der Schülerin der Freizeitausgleich wichtig. Der Druck sei schon im normalen Unterricht hoch. Zusätzliche Schulstunden würden nicht weiterhelfen. Die Mathematik-Nachhilfe will sie aber weiter besuchen. Jori und Annabell kommen nur noch selten zur Latein-Nachhilfe. Ihre guten Noten konnten sie weiter halten. „Wenn wir es wieder brauchen, kommen wir wieder her“, sagt Annabell. Marco Dittmer