Junge Schulsanitäter in der Prüfung: 80 Schüler aus MV absolvieren den Schulsanitätswettbewerb in Schwerin. Themen sind u. a. das Sondieren der Lage und die Erste Hilfe. (Foto: Volker Bohlmann)
20. Juni 2026

Warum Schulsanitäter für die erste Hilfe wichtig sind

Der folgende Artikel, geschrieben von Volker Bohlmann, erschien am 20.06.2026 im Nordkurier.

Sie helfen, wenn andere zögern: Schulsanitäter aus Schwerin zeigen beim DRK-Wettbewerb, dass Erste Hilfe mehr ist als Theorie, sie ist Haltung fürs Leben.

Link zum Artikel des Nordkuriers

„Hilfe, bitte kommen Sie schnell, hier gab es eben einen Unfall!“ Ein markerschütternder Ruf hallt über den Schulhof des Gymnasiums Fridericianum in Schwerin. Zwei Fahrzeuge des Katastrophenschutzes stehen bereit, Kinder laufen aufgeregt durcheinander, eine Frau schreit um ihre verletzte Tochter und mittendrin bleiben 80 Jugendliche erstaunlich ruhig. Sie legen Verbände an, trösten, koordinieren, sichern die Unfallstelle.

Junge Ersthelfer zeigen, wie Bevölkerungsschutz beginnt
Noch ist alles gespielt, doch es wirkt erschreckend echt. Beim Schulsanitätsdienstwettbewerb des DRK-Kreisverbandes Schwerin am Sonnabend, 20. Juni, wird die Simulation zum Lehrstück in Sachen Verantwortung. Seit Monaten diskutieren die Innenminister der Länder über die Stärkung des Bevölkerungsschutzes, in Schwerin zeigt sich, wie das in der Praxis beginnt: bei jungen Ersthelfern, die längst gelernt haben, was im Ernstfall zählt.

Junge Schulsanitäter in der Prüfung: 80 Schüler aus MV absolvieren den Schulsanitätswettbewerb in Schwerin. Themen sind u. a. das Sondieren der Lage und die Erste Hilfe. (Foto: Volker Bohlmann)

„Jeder Schüler ab der sechsten Klasse kann bei uns am Schulsanitätsdienst teilnehmen“, erzählt Jens Leupold, Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes Schwerin und Wettbewerbsleiter. Ein Jahr lang dauert die Ausbildung mit Unterricht, Übungen, Einsätzen und Nachbereitung. „Im Ergebnis sprechen wir auch über Motivation und das Weitermachen“, sagt Leupold. Nicht wenige Jugendliche bleiben dem DRK treu, wechseln später sogar in Rettungsdienst oder in die Feuerwehr.

Realistische Einsätze für Jugendliche im Parcours
An diesem Sonnabend stehen die Nachwuchsretter aus Schwerin, Ludwigslust und Bad Doberan früh auf. Neben Leupold sind auch Schwerins stellvertretender Oberbürgermeister Bernd Nottebaum und Feuerwehrchef Dr. Stephan Jakobi dabei. Dann geht’s los: Vom Schulhof führt der Parcours durch die Umgebung bis in die Marienplatz-Galerie. An sieben Stationen warten realistische Einsatzsituationen. Ein Schülerteam versorgt eine Sportverletzung, das nächste stabilisiert einen Kreislaufkollaps. Anderswo regelt jemand wie selbstverständlich den Verkehr. Alles Szenen, die so oder ähnlich im Schulalltag vorkommen könnten. „Wir verraten vorher nicht, was passiert. So testen wir, wie sicher die Jugendlichen in Stressmomenten reagieren“, sagt Leupold.

Rettungshunde und frühe Erste Hilfe: Teamgeist zählt
Zur Entspannung zwischendurch dürfen die Teilnehmenden auch mal auf vier Pfoten zählen: Die Rettungshunde Luna, Nina und Bente aus der DRK-Hundestaffel zeigen, wie sensibel und konzentriert sie arbeiten. Im Slalom um die Wette mit den Schulsanitätern wird deutlich, dass Teamgeist im Bevölkerungsschutz nicht nur zwischen Menschen zählt. Was hier spielerisch aussieht, hat einen ernsten Kern. Immer wieder wird deutlich, wie wichtig frühzeitige Erste-Hilfe-Ausbildung ist. „Wer in jungen Jahren gelernt hat, im Notfall zu handeln, hat später weniger Hemmungen, zu helfen“, sagt Leupold. Für ihn sind die Nachwuchshelfer wichtige Einsatzkräfte, auch wenn sie nicht hauptberuflich im Rettungsdienst arbeiten. Darum fordert er, mehr junge Menschen für Erste-Hilfe-Kurse zu gewinnen, in Schulen, Sportvereinen oder Firmen. Viele Erwachsene, so Leupold mit einem Augenzwinkern, „haben ihren letzten Erste-Hilfe-Kurs bei der Fahrschule gemacht“. Dabei ließe sich das Wissen verständlich u. a. beim DRK auffrischen, im Freundeskreis oder als Angebot im betrieblichen Gesundheitsmanagement. Am Ende des Tages geht es beim Wettbewerb zwar um Punkte und Platzierungen, vor allem aber um ein gemeinsames Ziel: Mut zur Hilfe.

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