Wir haben das versemmelt
„Wir haben das versemmelt“
Jacqueline Worch 24.05.2016
Lorenz Caffier sieht sich im Dialog mit Bürgern mit Missständen in der Bildungspolitik konfrontiert SCHWERIN Was zunächst nach einer typischen Diskus[1]sion zwischen Vertretern der Politik und des Bildungssys[1]tems aussah, entwickelte sich rasch zu einem ehrgeizi[1]gen Dialog zwischen Red[1]nern und Publikum. Zusam[1]men mit Cordula Scheibel, SchulleiterinamGymnasium Fridericianum Schwerin, und Prof. Dr. Johanna-Eleo[1]nore Weber, Rektorin der Universität Greifswald, ver[1]anstaltete Innenminister Lo[1]renz Caffier (CDU) gestern Abend eine Podiumsdiskus[1]sionzum ThemaBildungspo[1]litik in Mecklenburg-Vor[1]pommern. Es war bereits die zweite von insgesamt drei Ge[1]sprächsrunden, die der Poli[1]tiker unter dem Titel „Auf Heimatkurs mit Lorenz Caf[1]fier“ mit Sachverständigen und Bürgern in MV führte. Der letzte Meinungsaus[1]tausch fokussierte sich auf das Thema Sicherheit, dieses Mal standdieBildung imVor[1]dergrund. Dass das Thema auch in der Bevölkerung auf großes Interesse stößt, zeig[1]ten die Reaktionen der Zuhö[1]rer. Die eigentlich im An[1]schluss geplante Fragestun[1]de wurde kurzerhand in das Fachgespräch integriert. Lo[1]renzCaffier sah sich mit dem Problem der unterschiedli[1]chen Anerkennung der Schulabschlüsse konfron[1]tiert. „Wir haben das schon 1990 versemmelt und leider eine falsche Einstellung in der Bevölkerung aufkommen lassen. Viele Eltern sagen, wenn mein Kind nicht aufs Gymnasium geht, ist es kein Kind erster Klasse. Diesen Eindruck müssen wir korri[1]gieren“, so Caffier. Dass das Abitur und ein eventuell folgender Studien[1]abschluss in der Berufswelt seit Langem als das Maß der Dinge angesehen wird, ist je[1]doch nicht neu. „Wir müssen aufklären, aufklären, aufklä[1]ren und über mögliche Alter[1]nativen informieren. Wir müssen zeigen, dass die Fachhochschule beispiels[1] weise für diese Berufsausbil[1]dung optimal ist, die Hoch[1]schule für diese und die Be[1]rufsschule für diese“, schlug Dr. Weber vor. Eine solche Beratung müs[1]se jedoch schon viel eher ein[1]setzen, meinte Caffier. Nicht erst nach dem Schulab[1]schluss, sondern bereits während der Ausbildung müssten Eltern über die vor[1]handenen Möglichkeiten ausführlicher informiert werden. Engagierte Vorha[1]ben und Pläne, deren Umset[1]zung jedoch nicht zuletzt an der überkorrektenAuslegung von Gesetzen und Regeln zu scheitern drohen. „Heute darf ja jeder mitreden, jeder ist ein Experte“, bemerkte der Innenminister, „Wenn je[1]mand zu meiner Zeit gesagt hätte, dass jede Schule einen Schulsozialarbeiter braucht, hätte man ihn für verrückt er[1]klärt.Die Schulsozialarbeiter entlassen die Eltern meiner Meinung nach zum Teil aus ihrer erzieherischen Aufga[1]be“, erklärte Caffier. Nichts[1]destoweniger seien diese ein festerwie auchwichtiger Teil der Schulen. „Die Zeiten än[1]dernsichundwirmüssen uns diesen Änderungen anpas[1]sen“, sagtederCDU-Spitzen[1]kanditat. „Ich wünsche mir auch manchmal, dass die Ge[1]gebenheiten anders wären. Und wir müssen schauen, ob wir vielleicht andere Instru[1]mentalien nutzen können, um in der Bildungspolitik et[1]was zu verändern.“ Aber wie, wenn schlicht weg die Mittel fehlen? „Wir sollen Schule immer gestal[1]ten, haben aber immer nur das Gefühl, dass wir Schulen verwalten“, merkte Cordula Scheibel an. Dem Schulsys[1]tem würde es an finanziellen Mitteln und Lehrkräften feh[1]len, um ein kreativeres Bil[1]dungssystem umsetzen zu können. Eine endgültige Lösung konnte die Diskussionsrun[1]de nicht finden. Man werde sich diesen Fragen anneh[1]men, versicherte der CDU[1]Politiker. Jacqueline Worch

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